Älter werden gehört dazu
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Schönheit ist Synonym für Jugendlichkeit. Eigentlich. Denn seit Filmstar Sandra Bullock 2015 von einem US-Magazin als 50-Jährige zur schönsten Frau der Welt gekürt wurde, gibt es Hoffnung auf einen lockereren Umgang mit dem Alter.

Gesellschaftliche Geschlechtsunterschiede

Die Sache mit der Attraktivität ist eine schwierige, zudem ist sie für Männer und Frauen sehr unterschiedlich. Während der Mann im Alter durchaus noch als attraktiv gehandelt wird, was sich in den nicht wenigen Beispielen widerspiegelt, wenn das Liebesleben nach Beendigung der aktiven Berufsphase in verjüngter Neubesetzung nochmals aufgestartet wird, ist für Frauen ein Neubeginn mit zunehmendem Alter nur in Ausnahmefällen möglich. Es gibt keine Lebensphase, die beide Geschlechter durch die gesellschaftlich bedingten Auswirkungen in gleicher Weise betrifft – auch nicht die des Älterwerdens. Denn das Älterwerden hinterlässt bei beiden Geschlechtern Spuren: Frauen müssen, Männer können. So einfach ist das punkto Schönsein!

Älter werden gehört dazu

Zugegeben: Man versucht in Form zu bleiben, so gut es geht. Dennoch: Das «starke» Geschlecht erfreut sich nach wie vor trotz etwaiger Mängel eines unangeknacksten Selbstbewusstseins. Weder Falten noch graue Haare werden als Minuspunkte verbucht. Selbst pralle Bierbäuche tun dem eitlen Ego keinen Abbruch. Im Gegenteil, damit gewinnt «man/n» an Autorität und Prestige. Arme Weiblichkeit, die sich ab einer solchen Widerwärtigkeit in die dunkelste Ecke verziehen würde.

«Was für den Mann ein Darf ist, ist wie gesagt für die Frau ein Muss: schlank, rank, jugendlich, straff. Schönheit als gesellschaftliche Verpflichtung also.»
Jacqueline Trachsel

Und da kommt Frau erst recht ins Grübeln beim Blick in den Spiegel einer gnadenlos ausgeleuchteten Umkleidekabine. Grübeleien, die manchmal ins Krisenhafte zu kippen drohen.

Ist 50 das neue 30?

Aber feststeht, der Umgang mit Schönheit und Alter – und insbesondere die Symbiose davon à la «schön im Alter» – wandelt sich gerade bedeutend. Die Wahl von Sandra Bullock ist ein passendes Beispiel dafür, dass Frauen einerseits oft jünger aussehen, als sie wirklich sind und andererseits eine Bestätigung, dass man keine jugendliche Zwanzig sein muss, um sich schön zu fühlen oder eben öffentlich-offiziell als schön bezeichnet zu werden.

Wie schön, dass Schönheit nicht mehr krampfhaft an die Jugend gebunden ist. Powerfrauen, die souverän auftreten, weil sie Erfahrung haben – egal ob im Leben oder im Business, die stilsicher sind und sich selbstbewusst geben, zeigen der Gesellschaft, dass sie weit nach 40 eine echte Blütezeit erleben und dabei schön aussehen. Sie sind angekommen und unterstreichen dies mit den Worten: «Wir werden besser, je älter wir werden.»

Älter werden gehört dazu

In den Generationen davor haben sich die Menschen viel früher entschieden, alt zu sein. Vorbei sind mit zunehmendem Alter die Zeiten von stechender Unsicherheit und sinnloser Selbstüberschätzung. Und damit haben Frauen den oft unsicher wirkenden «Frischlingen» einiges voraus. «Schönheit ist nicht mit 30 oder 40 vorbei», meint auch ein deutscher Anti-Aging-Experte. Seiner Meinung nach leben die «neuen 30-Jährigen» vermehrt die Einstellung: Ich verzichte auf nichts, nur weil ich älter werde. Auch das deutsche Ex-Supermodel Claudia Schiffer hat mit ihrem 50. Geburtstag nicht das geringste Problem: «Ich habe die ersten 50 Jahre meines Lebens wunderbar verbracht – und ich freue mich auf die nächsten 50 Jahre.»

Verlangsamter Hautalterungsprozess

Aber nicht nur berühmte Models und Schauspielerinnen versuchen, das Alter nicht aufzuhalten, sehen aber deutlich jünger aus, als ihr Pass sie ausweist. Woran liegt es, dass Frauen und Männer um die 50 heute jünger aussehen, als die Generationen der 50-Jährigen davor? Es sind nicht die Hormone oder Gene, die sich verändert haben.

«Laut Altersforschern liegt es zum einen Teil an der verbesserten Kosmetik, die inzwischen Wirksubstanzen entwickelt hat, die tatsächlich den Alterungsprozess der Haut verlangsamen.»
Jacqueline Trachsel

Viel wichtiger aber: Die beiden Hautaltmacher «Sonne» und «Rauchen» sind auf dem Rückzug. Man geht noch an die Sonne, aber seltener und nur mit Schutz. Auch das Rauchen, das wesentlich verantwortlich ist für die Hautalterung, nimmt ab. Zu einem guten Aussehen gehört aber auch eine Körperproportionalität, denn Übergewichtige wirken älter.

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Rezept für mehr Jugendlichkeit

Das 50 das neue 30 ist, findet man allgemein sehr optimistisch: Zehn Jahre oder mehr kann jeder durch einen guten Lebensstil herausholen. Das Rezept, dass jeder auch noch älter, schön und jünger aussehen kann, liegt auf der Hand: Man muss körperlich und geistig in Bewegung bleiben.

Oder knallhart gesagt: Wer sich hängen lässt, verwahrlost optisch leicht. Das geht sehr schnell. Und mit 50 ist man aus dem Alter, in dem man sich von seinen Mitmenschen verunsichern lässt, endgültig raus.