Bambus
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Es gibt essbare Bambusarten und solche, die als Baumaterial verwendet werden. Die einen werden in der Textilindustrie als Rohstoff gebraucht, andere werden zu Haushaltswaren verarbeitet. Selbst Heilmittel finden sich unter den Bambusarten. Demzufolge ein wichtiges und nützliches Gras.

Bambus (Bambusoideae) stammt aus der Familie der Süssgräser (Poaceae). Wilder Bambus kommt fast überall auf der Welt vor, ausser in der Antarktis und bei uns in Europa. Diese grosswachsenden Gräser kennt dennoch jeder, da sie dekorative Zierpflanzen sind. Gräser kennen wir als feine, unscheinbare Gewächse, aber davon kann beim Bambus keine Rede sein. Je nach Art wird das Gras sehr gross und damit es stabil stehen kann, sind sie nicht weich, sondern verholzt. Mithilfe von Rhizomen verbreitet sich das Gras unterirdisch. Es ist deshalb besser, den Bambus in einem geschützten Rahmen im Garten zu pflanzen, sonst verbreitet er sich schnell und überwuchert. Hat der Bambus einmal Fuss gefasst, ist er kaum zu bekämpfen, denn kleinste Rhizome, die im Boden verbleiben, treiben neue Grashalme aus.

Vielfältiger Lebenskünstler

Dennoch ist Bambus als Sichtschutz sehr beliebt. Im asiatischen Raum ist die Gartenkunst geradezu vom Bambus geprägt.

«Es gibt mehr als tausend unterschiedliche Bambusarten. Einige wachsen nur in den Tropen und andere lieben die kühlen Höhen von über viertausend Meter. Wie alle Gräser, ist auch der Bambus anpassungsfähig, ein wahrer Lebenskünstler.»
Judith Dominguez

So vielfältig seine Lebensweise ist, so unterschiedlich ist sein Nutzen für uns Menschen. Es gibt essbare Bambusarten und solche, die als Baumaterial verwendet werden. Die einen werden in der Textilindustrie als Rohstoff gebraucht, andere werden zu Haushaltswaren verarbeitet. Selbst Heilmittel finden sich unter den Bambusarten. Demzufolge ein wichtiges und nützliches Gras.

Zudem ist Bambus ein schnell nachwachsender Rohstoff. Da die Pflanze rasch viel CO2 speichert, ist sie für den Klimaschutz von grosser Bedeutung. Wegen der unterirdischen Verbreitung durch Rhizome, können die Gräser geerntet werden, ohne dass sie dadurch sterben. Das ist im Gegensatz zu den Bäumen
ein grosser Vorteil.

Idealer Holzersatz

Dank der vielseitigen Eigenschaften ist Bambus ein idealer Holzersatz. Gerade in Gegenden, in denen bereits grosse Teile der Wälder unwiederbringlich verloren sind, kann Bambus zumindest etwas Ausgleich schaffen. Da die Gräser dicht stehen, hilft der Bambus, den Boden vor Erosion und Unfruchtbarkeit zu schützen. Die Stängel verholzen innerhalb weniger Jahre und haben danach ähnliche Eigenschaften wie Holz. Sie enthalten Lignin, Hemicellulose und Cellulose. Aus dem Riesengras lassen sich Möbel zimmern, Bodenbeläge oder Einweggeschirr herstellen. In Europa hat der Bambus als Werkstoff erst seit wenigen Jahren Einzug gehalten.

In seinen Heimatländern hingegen kann er auf eine lange Tradition zurückblicken. Im asiatischen Raum ist das Gras Lebensgrundlage vieler Menschen. Seit tausenden von Jahren wird der Bambus dort als Brenn- und Baumaterial verwendet. Die Grashalme sind ausserordentlich biegsam, halten hohem Druck und starker Belastung stand und eigenen sich zudem als Holzkohle oder Pellets. In Ländern wie Indien, Sri Lanka oder Burma sieht man oft Baugerüste, die aus Bambus gefertigt sind. Für uns Europäer sieht das weniger stabil aus als die bei uns gängigen Eisengerüste. Doch der Eindruck täuscht. Die Bambusgerüste sind ausserordentlich stabil und die Bauarbeiter darauf gut geschützt. In seinen Heimatländern werden aus Bambus sogar Musikinstrumente geschnitzt, meist Flöten, die seit Jahrtausenden zu den typischen traditionellen Instrumenten gehören. Vermutlich wird der Bambus auch in Europa ein Werkstoff der Zukunft werden: ökologisch und vielseitig verwendbar.

Bambus

Haushaltswaren

Nicht nur die Verwendung als Holz hat Zukunft, sondern auch diejenige im Haushalt. Das zunehmende Bewusstsein für die Umwelt hat das Einweggeschirr aus Bambus bei uns bereits bekannt gemacht. Nur leider kam es hin und wieder vor, dass bei der Produktion bedenkliche Zusatzstoffe verwendet wurden, sodass der Kontakt mit Lebensmitteln nicht empfehlenswert ist. Es ist deshalb wichtig, genau hinzusehen und die Inhaltsstoffe nachzulesen. Das gilt besonders für Besteck, das wir in den Mund nehmen.

Wird ein Span aus der äusseren harten Schicht geschnitten, ist die Kante scharf wie ein Messer und wird auch als solches verwendet. In Asien dient ein solcher Bambusspan gar als Wetzstein für metallene Messer. Ausgehöhlte Bambusrohre werden zum Kochen über dem Feuer genutzt. Es gibt fast nichts im Haushalt, dass nicht aus Bambus gefertigt sein könnte. Aus Bambus lassen sich schöne Körbe oder reissfeste Bodenmatten flechten. Sogar Jalousien aus Bambusstreifen oder Textilien aus seinen Fasern lassen sich aus Bambus herstellen. Die Bambusfasern sind allerdings kurz und können deshalb nicht zu Wolle gesponnen werden. Bambustextilien sind aus diesem Grund nicht immer aus dem entsprechenden Material. Es wird teilweise nur zur Gewinnung der Cellulose verwendet und weiter zu Viskose verarbeitet. Auf diese Weise werden zum Beispiel Bambusstrümpfe produziert.

Bambussprossen als Lebensmittel

Als Lebensmittel ist der Bambus bei uns noch unbekannt. Für asiatische Gerichte werden die Bambussprossen hin und wieder als Gemüse verwendet.

Bambus

Die jungen Triebe sind zart wie Spargel und schmecken köstlich. Allerdings enthalten die Sprossen Blausäure und Bitterstoffe, weshalb sie zum rohen Verzehr nicht geeignet sind. Die Inhaltsstoffe sind giftig, werden aber beim Kochen zerstört.

«Sie enthalten viele Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor und Magnesium. Die Chinesen mit ihrer uralten Medizin verzehren die Sprossen, um das Immunsystem zu stärken, die Nägel stärker und somit weniger brüchig werden zu lassen sowie die alternde Haut zu straffen.»
Judith Dominguez

In Asien wird Bambus auch als Mehl geschätzt. Es ist geschmacksneutral und enthält zahlreiche Ballaststoffe, die bekanntlich für eine gute Verdauung notwendig sind. Das Mehl wird als Zusatzstoff für Backwaren, Fruchtsäfte, Saucen oder Gewürzmischungen verwendet.

Bambusextrakt in Heilmittel und Pflegeprodukten

Je nach Bambusart enthält das Gras grössere Mengen an Kampfer, den man auch Bambuszucker oder Tabaxir nennt. In der chinesischen und ayurvedischen Medizin ist dieser Inhaltsstoff ein Heilmittel. Bambusextrakte sind in Pflastern enthalten, die auch als Vitalpflaster vermarktet werden. Diese sollen unseren Körper entgiften helfen und vor allem in Kombination mit entsprechendem Fasten oder Kuren wirken. Für die heilende Wirkung bei unreiner Haut, Akne, Rötungen oder dem Fersensporn ist der hohe Anteil an Kieselsäure in den medizinischen Produkten verantwortlich. In der chinesischen Medizin wird Bambus zudem gegen jede Form von Stress und Angespanntheit empfohlen. Es gibt neben den Pflastern Bambuszucker, Bambusessig, Bambussalz oder Bambusöl.

Da Bambus Flavonoide enthält, die als Antioxidanzien bekannt sind, ist das Gras inzwischen ein Bestandteil vieler Pflegeprodukte. Es gibt Duschgels, Seifen, Cremen und Bambusmilch, die zur Vorbeugung gegen das Altern angepriesen werden. Allen diesen Kosmetikprodukten werden Extrakte der Bambusblätter oder junger Sprossen beigemischt. Der Extrakt aus den jungen Sprossen soll besonders gut gegen Entzündungen helfen. Auch in natürlichen Deos sind teilweise Bambusextrakte enthalten, weil sie gut gegen übermässigen Achsel- und Fussschweiss wirken.

Bambus

Und wer sich lieber nichts auf die Haut streichen möchte, kann Kapseln mit Bambusextrakt verwenden. Sie werden als Nahrungsergänzung eingenommen und sind selbst für Kinder geeignet. Innerlich verabreicht stärkt der Bambus das Haar. Diese Produkte enthalten oft eine Kombination aus ähnlich wirkenden natürlichen Substanzen. Dazu gehört zum Beispiel die Hirse, die ebenfalls die Haut, Nägel und Haare stärkt. Die Kombination der Inhaltsstoffe soll sogar leichte Depressionen lindern.

Bambus ist auch in dieser Hinsicht ein Trend – eine Pflanze mit Zukunft.