Bitterorange: das duftende Gold aus dem Süden
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Die Bitterorange, auch als Pomeranze bezeichnet, wächst an hohen und immergrünen Bäumen.

Die Bitterorange (Citrus aurantium) ist wie ihre Namensverwandte, die Orange, eine typische Zitrusfrucht. Die Frucht aus der Familie der Rautengewächse (Rutaceae) hat ein weltweit sehr geschätztes Aroma.

Botanik der Bitterorange

Die Pflanzen, an der die Bitterorange wächst, sind immergrüne Bäume, die recht gross werden können. Woher sie ursprünglich kommt, ist nicht genau bekannt. Man weiss aber mit Sicherheit, dass sie im elften Jahrhundert in Italien angebaut wurde. Es gilt die Annahme, dass sie aus China nach Europa gekommen ist. Wegen des ganz besonderen Aromas wird die Frucht schon seit über viertausend Jahren von den Menschen kultiviert.

Die Bitterorange wird teilweise auch als Pomeranze bezeichnet. Im lateinischen Namen Aurantium steckt das Wort für Gold. «Goldene» Früchte sind, wie die Biologen herausgefunden haben, eine Kreuzung zwischen Mandarinen und der Pampelmuse. Jedenfalls duftet die Frucht unglaublich gut und wird deshalb vielseitig verwendet.

Die kandierte Schale der Bitterorange nennt man Oreangat.

Orangeat als ideales Gewürz für Backwaren

Wir kennen die Bitterorange vor allem in der Backstube. Aus der äussersten Schale wird nämlich das Orangeat hergestellt. Die kandierte Schale ist ein ideales Gewürz für unterschiedliche Backwaren wie zum Beispiel Christstollen, Kuchen oder Kekse.

«Roh ist diese Orangensorte wegen ihrer Bitterstoffe nicht geniessbar. Doch gerade diese Bitterstoffe sind wertvoll für die Gesundheit.»
Judith Dominguez
Bitterorangenmarmelade wirkt dank der Bitterstoffe verdauungsfördernd.

Mit viel Zucker vermischt, entsteht die typisch und intensiv riechende Bitterorangenmarmelade. Insbesondere in England wird sie geliebt. Sie wirkt verdauungsfördernd und ist eine perfekte Ergänzung des deftigen englischen Frühstücks mit Speck und Eiern.

Bitterorange in Curaçao und Cointreau

Die Frucht wird zudem zum Aromatisieren von Getränken verwendet. Aus Mittelamerika kennen wir den Curaçao, einen Likör. Er ist nach der niederländischen Insel nahe Venezuela benannt. Dies deswegen, weil auf dieser Insel eine besondere Unterart der Bitterorange wächst und für die Herstellung des Schnapses verwendet wird.

«Bekannter in unseren Regionen ist der Cointreau, ebenfalls ein Bitterorangenlikör. Er wirkt sowohl appetitanregend als auch verdauungsfördernd.»
Judith Dominguez

Mit diesem Schnaps lassen sich Drinks mixen oder Nachspeisen verfeinern. Wer den Geschmack liebt, aber auf Alkohol verzichten möchte, kann Getränke mit dem Sirup aromatisieren.

Übrigens gibt es auch Schwarz- oder Früchtetees, die mit Bitterorangenschalen aromatisiert sind und herrlich erfrischend schmecken. Im Handel gibt es die Bitterorange auch als Lebensmittelaroma. Dieses eignet sich bestens für geschmackliche Experimente.

Neroliöl und die Prinzessin

Als Neroliöl ist ein Wasserdampfdestillat der Blüten im Handel erhältlich. Neroli deshalb, weil eine sizilianische Prinzessin mit dem Namen Nerola, die im siebzehnten Jahrhundert lebte, und nach diesen Blüten gerochen haben soll. Laut einer Legende soll sie nicht nur ihren Körper mit dem Duft der Bitterorange parfümiert haben, sondern auch ihre Handschuhe, die Bettwäsche oder ihre Halstücher. Sie verströmte einen dermassen intensiven Geruch nach Bitterorange, dass man dem Parfüm ihren Namen gab. Goethe und Napoleon sollen den Duft sehr geliebt haben.

«Das kostbare Blütenöl ist jedoch nicht nur wegen seines betörenden Dufts interessant: Es wirkt antiseptisch und beruhigend.»
Judith Dominguez
Das Blütenöl der Bitterorange, Neroliöl, hilft gegen Stress und Ängste.

Besonders empfohlen wird es allen stressgeplagten Menschen und das sind in der heutigen hektischen Zeit ja nicht gerade wenige. Neroli hilft, Überlastung am Arbeitsplatz oder zu Hause besser zu bewältigen. Es lindert Anspannungen und Verkrampfungen, gleicht Stimmungsschwankungen aus und lindert alte seelische Verletzungen, die uns immer wieder einholen.

Notfalltropfen der Aromatherapie

Der Blütenduft wird in der Aromatherapie selbst für Notfälle empfohlen. Dazu träufelt man ein wenig Neroliöl auf ein Taschentuch und schnuppert in besonders kritischen Situationen daran – etwa bei Flugangst oder vor Prüfungen.