24. Februar 2022

Demenz vorbeugen – mentale und körperliche Fitness steigern

Demenz vorbeugen – mentale und körperliche Fitness steigern
Lesezeit ca. 7 min

Je eher wir etwas unternehmen, desto besser. Denn bis ins hohe Alter geistig fit und agil bleiben – diesen Wunsch hegen wir wohl alle. Und obwohl Ärzte bislang kein Heilmittel dafür kennen, wissen sie immer genauer, wie einer Demenz vorgebeugt werden kann.

Verschiedene Risikofaktoren

Zwar steigt das Demenzrisiko im Alter, dennoch handelt es sich hierbei nicht um eine Alterserscheinung. Vielmehr steht die Demenz für ein Krankheitssymptom. Sie dient als Überbegriff für mehrere neurologische Krankheitsbilder, die mit dem Verlust von kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen einhergehen.

Bei der häufigsten Form, Morbus Alzheimer, wird von einer neurodegenerativen Erkrankung gesprochen, das heisst, es gehen stetig und unwiderruflich Nervenzellen durch schädigende Proteinablagerungen zugrunde.

Eine vaskuläre, also die Blutgefässe betreffende Demenz basiert dagegen auf Durchblutungsstörungen im Gehirn, beispielsweise nach einer Hirnblutung oder einem Schlaganfall. Die grössten Risikofaktoren hierfür sind unter anderem: Diabetes, Cholesterin, Bluthochdruck und Rauchen.

Gemäss der gemeinützigen Organisation Alzheimer Schweiz erkrankt hierzulande alle 17 Minuten ein Mensch an Demenz. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft Gesellschaft schätzt, dass im Nachbarland in 30 Jahren drei Millionen Menschen von einer Demenz betroffen sein werden – fast doppelt so viele wie die 1,7 Millionen heute.

Ernährung und Training

Unser Gehirn ist ein sehr aktives Organ. Obwohl es nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es 20 Prozent der Energie, die im Körper insgesamt umgesetzt wird.

«Wir müssen also dafür sorgen, dass das Gehirn ausreichend und gesund ernährt wird. Aber das ist nicht genug. Experten raten, schon etwa ab dem 30. Lebensjahr mit gezieltem Training dem Altersprozess des Gehirns entgegenzuwirken. Es ist jedoch nie zu spät dafür.»
Jaqueline Trachsel

Denn wer rastet, der rostet, das gilt eben auch für das Gehirn. Es hat zwar immer eine gewisse Grundaktivität, selbst im Schlaf ruht es nicht. Wird das Gehirn aber zu selten gefordert, verliert es an Leistungsfähigkeit. Ein eintöniger Alltag ohne Herausforderungen lässt die grauen Zellen verkümmern und forciert die normale Vergesslichkeit – oder etwa doch mehr?

Eine Frage, die sich viele von uns stellen, weil sie sich davor fürchten dement zu werden. Sie bangen davor, Erinnerungen und Fähigkeiten langsam, aber sicher zu verlieren. Die Behandlungschancen steigen, je früher sie erkannt werden. So können bei einer vaskulären Demenz Blutverdünner weitere Schäden vermeiden und sogenannte Antidementiva den Verlauf etwas abbremsen. Oft beginnen die Therapien aber erst, wenn das Gehirn bereits grosse Schädigungen aufweist. Es bleibt zwar ein Leben lang lernfähig – einmal abgestorbene Nervenzellen jedoch: ersatzlos gestrichen! Zahlreiche Forschungsprojekte arbeiten seit Jahren daran, neue Medikamente gegen die Demenz zu entwickeln.

Erste Anzeichen und Symptome

Kann davon ausgegangen werden, dass auch eine völlig apathische Person sehr wohl merkt, was um sie herum vorgeht? Überwiegend ist die Demenz Ausdruck einer irreversiblen strukturellen Hirnschädigung. Die sporadische Form kann uns alle treffen und macht die überwiegende Mehrheit aller Fälle aus. Die Erkrankung beginnt meist nach dem 65. Lebensjahr.

Am Anfang spüren die Patienten sicher, dass etwas nicht stimmt. Infolgedessen ziehen sie sich zurück, wollen nicht zum Arzt gehen und reagieren aggressiv und gleichzeitig depressiv, ohne aber ihre Ängste einzugestehen.

Zu den häufigsten Verhaltensstörungen zählen körperliche Aggressivität, Agitation, zielloses Umherwandern, Enthemmung, Schreien, Tag-Nacht-Umkehr und Ruhelosigkeit.

Zu den häufigsten Symptomen zählen Depression, Angst, Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Später und bis zum Schluss reagieren Betroffene nicht mehr so stark auf ihre Krankheit, dafür umso mehr auf Überforderung und die Angst zu versagen.

Demenzkranke fühlen sich in der vertrauten Umgebung am wohlsten, also zu Hause bei der Familie. Die Krankheit führt aber früher oder später zum Moment, wo das zu Hause sein nicht mehr möglich ist. Die psychische und physische Gesundheit der betreuenden Person ist immer zu berücksichtigen.

Vorbeugende und effiziente Hilfe

Werden ihre Kräfte durch die grosse Belastung überfordert, geraten Betreuende selbst in Not. Dann ist es wichtig, dass Entlastungsangebote vermittelt werden: Anlaufstellen neben dem Hausarzt, Ambulatorien der psychiatrischen Versorgungseinrichtungen, Gedächtnissprechstunden und Memory-Kliniken. Spitex, Rotes Kreuz, Pro Senectute oder regionale Sozialdienste können helfen, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung vorliegt. Tageskliniken der Alterspsychiatrie, Tagesstätten und Betreuungsinstitutionen bieten älteren Menschen mit demenziellen Erkrankungen ein vielseitiges, oft interdisziplinäres Therapieprogramm an. Die Aufzählung kann beliebig fortgeführt werden, da immer weiter neue Angebote geschaffen werden. Dazu gehört der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen, die sich gegenseitig beraten, zuhören, beistehen und aktiv helfen. Im Gespräch lernen die Betreuenden, den Bekanntenkreis nach psychischen Kräften einzuteilen und zu erkennen, wem man was zumuten kann.

Ist aber eine teilstationäre oder stationäre Unterbringung aus Krankheitsgründen und zur Entlastung der Angehörigen angebracht, sind Pflegeeinrichtungen für Demente und Alzheimerpatienten besonders geeignet. Institutionen wie etwa die Sonnweid in Wetzikon oder die Domicil Kompetenzzentren Demenz in der Region Bern haben sich auf die Betreuung, Pflege und den Beistand von Menschen mit Demenz spezialisiert. Eine Alternative für die betroffene Familie kann auch ein Pflegeheim im positiven Umfeld sein.

Ein Demenzkranker leidet nicht an seinem Zustand, wenn ihm eine möglichst hohe Lebensqualität erhalten bleibt und er würdevoll behandelt wird. Dies gilt auch für den schwer abgebauten Patienten, der immer noch auf Zuwendung, Musik oder einfache Aktivierung reagiert. Eine Handberührung kann die Beziehung zueinander stärken.

«Kann ich Demenz vorbeugen?»

… , fragt ein Infoblatt der Organisation Alzheimer Schweiz. Bis heute gibt es keinen Impfstoff, der vor Demenz schützt und auch kein Medikament, das die Krankheit heilt. Und weiter: Bei der Entstehung sind mehrere Faktoren zu beachten, insbesondere das Alter, aber auch genetische Faktoren sowie die körperliche Gesundheit. Das Infoblatt empfiehlt:

Bleiben Sie körperlich aktiv

Körperliche Aktivitäten wie regelmässige Bewegung, Sport, Gymnastik oder Spaziergänge sind wesentlich.

Ernähren Sie sich gesund

Eine ausgewogene Ernährung besteht zum Beispiel aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Vollkornprodukten.

Passen Sie auf sich auf

Genussmittel, Stress und Übergewicht belasten die Blutgefässe – auch im Gehirn. Dadurch entsteht ein erhöhtes Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko. Forschungen zeigen, dass genau diese Faktoren auch Einfluss auf eine Demenzerkrankung im Alter haben.

Pflegen Sie soziale Kontakte

Dies kann wie folgt aussehen: Treffen Sie sich mit Freunden, Bekannten und der Familie. Unternehmen Sie gemeinsame Ausflüge oder Spaziergänge. Telefonieren Sie, treffen Sie sich auf Zoom oder einer anderen Videoplattform. Auch Postkarten und Briefe schreiben bereitet Freude.

Trainieren Sie das Gedächtnis

Lernen Sie taglich Neues und bleiben Sie neugierig. Lesen Sie Zeitung, lösen Sie Puzzles und probieren Sie neue Rätselarten aus. Wie wäre es, ein Buch zu lesen oder gar eine Fremdsprache oder ein Musikinstrument zu erlernen?

Weitere Informationen finde Sie unter alz.ch.