Gartenmelde: das Goldgemüse
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Gartenmelde (Atriplex hortensis) aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae).

Zum Unkraut degradiert

Der spanische Salat, wie die Gartenmelde auch genannt wird, ist eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Heute kann man kaum mehr glauben, dass die Melde für den Menschen einst von grosser Bedeutung war: als gesundes und geschätztes Nahrungsmittel, Färberpflanze, Arzneimittel und Zierpflanze.

Heute zählt die Pflanze zu den Unkräutern – denn alles muss effizient und gewinnbringend sein. Die einfache Gartenmelde kann mit dem Fortschritt nicht mithalten. Von den Feldern verbannt, fristet sie an deren Rändern ein unbedeutendes Leben; es sei denn, es kommt genau da jemand vorbei, der noch etwas über ihre vorzüglichen Qualitäten weiss.

Magnesiumreiches Nahrungsmittel

Archäologen haben bei Ausgrabungen Reste der Gartenmelde an ganz unterschiedlichen Orten der Welt gefunden. In Europa, rund ums Mittelmeer, aber auch in China, in Vorderasien, im Tibet und im Orient scheint die Pflanze angebaut worden zu sein. Die Griechen der Antike nannten die Melde «Goldgemüse» und die verwöhnten Römer assen sie an ihren Gelagen wie Mangold.

Die Blätter können wie Spinat gekocht oder roh als Salat verspiesen werden; die Samen eignen sich gemahlen als Mehl oder gekocht als Gemüse.

«Die Pflanzenteile sind voller Vitamin A und Spurenelemente. Die Pflanze enthält auch Eisen, wenn auch nicht ganz so viel wie der uns bekannte Spinat. Dafür punktet sie mit einem hohen Eiweissgehalt und viel Magnesium.»
Judith Dominguez

Ein regelmässiger Genuss ist deshalb besonders Leuten mit Muskelkrämpfen zu empfehlen. Die Blätter eignen sich als gesunde Zutat in einer Gemüsesuppe oder als besonderer Leckerbissen auf einer Gemüsequiche.

Die Gartenmelde ist ein schmackhaftes, zartes Gemüse, eine uralte Kulturpflanze; und wurde zu Unrecht zum Unkraut degradiert. Am besten schmecken ihre Blätter, solange sie noch jung sind – nach der Samenbildung werden sie bitter.

Harntreibend und entzündungshemmend

Als man in früheren Zeiten noch keine Pillen gegen jede Beschwerde aus dem Blister drücken konnte, waren die Menschen auf die Inhaltsstoffe aus der Natur angewiesen. Grund genug, die Heilpflanzen zu ehren und sie zu hegen und zu pflegen. Die Gartenmelde wirkt harntreibend: Das ist gut für alle, die immer mal wieder unter Blasenentzündungen leiden. Die Blätter werden dafür als Teeaufguss zubereitet.

Das Kraut wurde zudem bei Hauterkrankungen und Geschwüren verwendet; denn offenbar enthält die Pflanze entzündungshemmende Inhaltsstoffe. Wer die Melde im eigenen Garten pflanzt, kann sich bei Entzündungen – wie zum Beispiel im Nagelbett – mit den Blättern einen heilenden Umschlag machen.

Rohe Samen wirken abführend; und Hildegard von Bingen empfahl die Melde zum Anregen der Verdauung. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen und zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Mittelalterliches Färbemittel

Noch ist Jungsein in Mode, obwohl wir immer gesünder älter werden. Bei diesem Trend trommelt die Wirtschaft ganz schön mit und bringt eine unglaubliche Menge an Produkten gegen das Altern auf den Markt. Mit Salben, Puder, Pillen, Säften und Farben werden äussere Merkmale des Älterwerdens vertuscht.

Doch so ganz neu ist diese Entwicklung offenbar nicht: Jedenfalls ist seit dem Mittelalter allgemein bekannt, dass sich Haare mit Gartenmelde schwarz einfärben lassen. Die Pflanze zählte damals ganz allgemein zu den Färberpflanzen. Der Naturfarbstoff färbte Textilien grün oder Lebensmittel rot. Durch die Entwicklung synthetischer Farbstoffe, die lichtecht, waschbeständig und im industriellen Verarbeitungsprozess leicht einsetzbar sind, haben die natürlichen Farbstoffe ihre Bedeutung verloren; sie sind nur noch für Hobbyfärber wichtig.

Viele Gründe, die Gartenmelde als Nutzpflanze zu bezeichnen und ihr wieder mehr Beachtung zu schenken.