Gemeine Esche
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Die Esche strebt mit geradem Stamm der Sonne entgegen, die Wurzeln fest im Erdreich verankert. Die nordische Mythologie sah in ihr den Weltenbaum Yggdrasil, das Zentrum und die Stütze des Kosmos.

Die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) gehört zur Familie der Ölbaumgewächse und lässt sich gut an den gefiederten Blättern und den samtschwarzen, kuppelförmigen Knospen erkennen. Mit einer Höhe von 35 bis 40 Metern und einem Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern ist sie der höchstwachsende europäische Laubbaum – und trägt den Namen «excelsior» (= herausragend) zu Recht.

Die Esche liebt zwar feuchte, nährstoffreiche Standorte, kommt aber auch mit Trockenheit klar. So ist sie eine typische Bewohnerin des Mittellandes und des Juras.

Pilzbefall und Unglückskäfer

Trotz ihrer Grösse und Anpassungsfähigkeit ist sie verletzlich. Seit einigen Jahren wird sie durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz bedroht. Das dadurch verursachte Eschentriebsterben liess die einst zweithäufigste Baumart innert zwölf Jahren auf den dritten Platz der Häufigkeitsskala abrutschen. Der Pilz befällt die Blätter, das Holz und das Mark. Junge Bäume sterben oft innert weniger Jahre ab; ältere schaffen es, dem Pilz etwas länger zu widerstehen. Doch es gibt Hoffnung: Einige Eschen scheinen resistent gegenüber dem Pilz zu sein. Sie werden belassen, damit sie sich vermehren. Allerdings droht mit dem asiatischen Eschenprachtkäfer, der von Osten vordringt, neues Ungemach.

Doch das Interesse, die Esche langfristig zu erhalten, ist gross: Ihr helles Holz ist hart, aber gleichzeitig biegsam, es gilt als Edelholz. Es wird für Möbel und Parkett verwendet, seine Elastizität ist zudem ideal für Ski, Schlitten, Sprossenwände und Werkzeugstiele.

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Vielfältiger Lebensraum

Der ökologische Wert der Esche ist beachtlich: Sie überlässt zwar die Bestäubung dem Wind, doch die Blüten sind pollenreich und nähren Insekten. Der Baum bietet zudem Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleinsäuger; die Blätter und Knospen werden vom Wild gern gefressen. Das grün fallende Herbstlaub wirkt bodenverbessernd und humusbildend. Die Samen sind eine beliebte Nahrung für Vögel, auch für den selten gewordenen Gimpel. Mit ihren weitreichenden Wurzeln stabilisiert die Esche Hänge und Flussufer.

Seit der Mensch Vieh hält, ist sie zudem ein beliebter Futterbaum. Das getrocknete Eschenlaub bildete bis vor wenigen Jahrzehnten ein gesundes Beifutter für das Vieh. Bereits Hildegard von Bingen empfahl getrocknete Eschenblätter als Heilmittel für kranke Schafe und Ziegen.

Ein Platz in der Mythologie …

In der nordischen Mythologie spielte die Esche eine wichtige Rolle. Als Weltenbaum Yggdrasil wurzelte sie in der Unterwelt und streckte sich bis in den Himmel. Sie verband die verschiedenen Welten von Göttern, Riesen, Zwergen, Menschen und auch das Totenreich. Unten am Stamm von Yggdrasil sitzen die drei Nornen, die das Schicksal der Menschen bestimmen: Eine spinnt den Lebensfaden, die zweite misst ihn ab, die dritte schneidet ihn durch.

Im Volksglauben galten verkrüppelt wachsende Eschen als Sitz von Hexen und bösen Geistern. Eschen sollen Unwetter abhalten – meteorologische und zwischenmenschliche: So soll ein Eschenzweig über dem Ehebett für Harmonie sorgen. Eschenruten soll man nicht zum Aufbinden von Pflanzen verwenden, da diese von den Ruten wegwachsen.

… und als Heilmittel

Seit der Antike gelten alle Teile der Esche als heilsam. Blatt- und Rindenabkochungen waren ein wichtiges Mittel bei Schlangenbissen. In Form von Tee oder Wein wurden sie bei Gicht, Wassersucht und rheumatischen Beschwerden eingenommen. Die Asche aus Rinde und Blättern wurde als Umschlag bei Knochenbrüchen aufgetragen. Die Rinde war zudem ein wichtiges Fiebermittel. Frischen, schleimhaltigen Rindenbast band man auf Wunden, davon stammt der Name «Wundholzbaum». Auch Haustiere wurden behandelt: In Essig verriebene Blätter halfen gegen Räude.

Die Samen hängen meist den ganzen Winter über am Baum; sie sind ölhaltig und wurden in Notzeiten als Nahrung verwendet.

«Sie sollen eine gewisse antidiabetische Wirkung aufweisen, wurden aber auch bei Herzrhythmusstörungen und sexueller Schwäche eingesetzt. Der Tee aus den Samen half bei Nieren- und Blasenproblemen.»
Ursula Glauser-Spahni

Als Wirkstoffe findet man Flavonoide, Zimtsäurederivate, Cumarine, Triterpene, Bitterstoffe, Harz und Schleimstoffe.

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In der Gemmotherapie verwendet man die sich öffnenden Frühlingsknospen. Das Mazerat kurbelt den Stoffwechsel umfassend an, erhöht die Harnsäureausscheidung, verbessert den Fettstoffwechsel, entgiftet durch eine verbesserte Leberfunktion.

«So hilft das Knospenmazerat der Esche bei allen rheumatischen Beschwerden, Arthritis und Arthrose. Dabei ist auch seine schmerzlindernde Wirkung wichtig.»
Ursula Glauser-Spahni

Bei Grippe senkt es das Fieber, stärkt die Patienten und verkürzt die Rekonvaleszenzzeit. Die Esche richtet wieder auf.