Himbeere
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Glücklich ist, wer auf einer sommerlichen Wanderung auf wilde Himbeeren stösst und sich an den köstlichen Früchten erlaben kann! Die Beeren – botanisch gesehen Sammel-Steinfrüchte – verkörpern geradezu den Geschmack des Sommers, sie erfrischen und geben Energie.

Namensgebung und Botanik

Die vitaminreichen Früchte wurden bereits von unseren steinzeitlichen Ahnen geschätzt; möglicherweise wussten sie auch schon um die Heilwirkung der Blätter. Die erste Silbe der Himbeere leitet sich von «hinta» (heute Hinde) ab und bedeutet Hirschkuh. Die Himbeere ist also dem Namen nach die Pflanze, die gern von Hirschkühen gefressen wird. Ob sie dies vor allem vor dem Werfen tun? Viele Heilpflanzenwirkungen wurden ja durch Tierbeobachtung entdeckt; vielleicht auch in diesem Fall.

Die Himbeere (Rubus idaeus) gehört wie viele andere Obstpflanzen zur Familie der Rosengewächse. Sie wächst in ganz Europa, in Asien und Nordamerika an Waldrändern, auf Lichtungen und Kahlschlägen. Zahlreiche Sorten werden als Gartenpflanzen angeboten. Nebst dem kulinarischen Genuss hat die Pflanze aber auch gesundheitlich einiges zu bieten.

Verwendung in der Volksmedizin

Sowohl in der europäischen Volksmedizin als auch in der ayurvedischen Medizin und bei den nordamerikanischen Indianern ist die Himbeere ein Gebärmuttertonikum und damit ein wichtiges Mittel für Schwangerschaft und Geburt.

«Himbeerblätter entspannen die Gebärmutter- und Beckenmuskulatur, machen sie geschmeidiger, verkürzen und erleichtern dadurch die Geburt.»
Ursula Glauser-Spahni

Die entsprechende Signatur der Himbeere ist auffällig: Ihre Früchte lösen sich sehr leicht von der Mutterpflanze, anders als bei der nahe verwandten Brombeere; eine Parallele zur leichten Geburt ist naheliegend.

Himbeerblätter helfen aber auch bei Durchfall und Darmgrippe, bei Magenübersäuerung, Übelkeit und Erbrechen. Auch Rachenentzündungen und Halsschmerzen gehören zu ihrem Einsatzgebiet. Durch ihre milde Wirkung sind sie besonders auch für Kinder geeignet.

Als Inhaltsstoffe findet man Gerbstoffe, Flavonoide, Vitamin C, Fruchtsäuren, Zucker und Schleimstoffe.

Eine Mischung aus vier Teilen Himbeer-, zwei Teilen Erdbeer- und einem Teil Brombeerblätter ergibt einen besonders feinen Haustee.

Mondkraft

Die silbrigweisse Blattunterseite der Himbeere weist auf die Signatur des Mondes hin, die süssen Früchte auf die Venus. Auch die Vorliebe für feuchten Boden und die starke Tendenz zur vegetativen Vermehrung über Wurzelausläufer und Absenker sind Mondzeichen. Der Mond regiert das Wasser, er bewirkt nicht nur Ebbe und Flut, sondern beeinflusst auch das Wasser in unserem Körper. Ihm unterstehen die Schleimhäute, die Lymphe, die Gehirnflüssigkeit, die Menstruation, die bei vielen Frauen im Rhythmus der Mondphase schwingt, und alles, was mit Schwangerschaft und Geburt zusammenhängt. Der Mond entspricht dem chinesischen Yin, dem urweiblichen Prinzip. Partner und Gegenspieler ist das Yang, in der europäischen Tradition die Sonne.

Die Mondkraft begleitet die Frau durch das ganze Leben und lässt sich in drei Phasen teilen: Das jungfräuliche Mädchen in der Zeit der Neugier und des Ausprobierens, die fruchtbare Frau auf der Höhe ihrer Energie, die in Familie und Gemeinschaft wirkt, und schliesslich die alte Frau, deren Weisheit und Erfahrung der Gemeinschaft zugute kommen. Die drei Lebensabschnitte werden durch Pubertät und Wechseljahre begrenzt und gehen mit Hormonschwankungen und oft einer grundsätzlichen Neuorientierung einher. In alten Zeiten wurden diese Lebensabschnitte als natürlich angenommen und die Wechsel mit Ritualen gefeiert. Unsere leistungsorientierte westliche Kultur hingegen hat in dieser Hinsicht noch einigen Nachholbedarf.

Wichtige Frauenpflanze

Die Himbeere gehört zu den wichtigsten Frauenpflanzen der Gemmotherapie.

«Sie stärkt die Schleimhäute der Fortpflanzungsorgane in ihren Funktionen, heilt Entzündungen, harmonisiert das weibliche Hormonsystem in den drei Lebensphasen und in den oft etwas turbulenten Übergängen.»
Ursula Glauser-Spahni

Bei Menstruationskrämpfen hilft die Himbeere vor allem bei jenen Schmerzen, die zu Beginn der Menstruation sehr stark sind und mit dem Einsetzen der Blutung nachlassen.

Zur Geburtsvorbereitung wenige Wochen vor dem Termin hilft die Himbeere die Beckenmuskulatur zu lockern. Durch die krampflösende Wirkung wird die Geburt als weniger anstrengend erlebt. Bei schwierigen Geburten oder zum Austreiben einer zurückgehaltenen Nachgeburt erhält die Gebärende in regelmässigen Abständen einen Sprühstoss der Gemmoessenz.

Nach der Geburt verhilft die Himbeere zu einem raschen Zusammenziehen der Gebärmutter. Weitere Anwendungsgebiete sind Libidostörungen und Unfruchtbarkeit.

Auch in der Menopause entfaltet die Himbeere ihre segensreiche Wirkung und verhilft zu einem neuen hormonellen Gleichgewicht. Alterungsprozesse werden zwar nicht verhindert, aber verlangsamt und harmonisiert.