Innere Mitte stärken
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Eine von drei Frauen leidet unter Beckenbodenproblemen, Blasenbeschwerden oder Harninkontinenz – mit negativen Folgen für Lebensqualität und Partnerschaft. Das beste Gegenmittel ist eine starke Beckenbodenmuskulatur. Sie trägt zu einer gesunden Schwangerschaft bei, hilft bei der Rückbildung nach der Geburt und schützt vor Senkung von Blase, Gebärmutter oder Darm.

Vernachlässigte Mitte

Der Beckenboden ist das tragende Element für die inneren Organe. Er gewährleistet die Kontinenz: Urin, Stuhl und Winde können zurückgehalten werden.

Bei einer Belastungsinkontinenz allerdings (auch Stressinkontinenz genannt) kann es zur unfreiwilligen Abgabe von Harn kommen, zum Beispiel beim Husten, beim Tragen, beim Sport oder beim Lachen. Betroffene verspüren zwar keinen Harndrang, dennoch wird in solchen Situationen ungewollt Urin abgegeben.

Dahinter steckt meist ein zu schwacher Beckenboden. Denn: Der Beckenbodenmuskel hat unter anderem die Aufgabe, den Blasenmuskel zu stützen. Ist er durch Schwangerschaft, Geburt, hormonelle Veränderungen wie Wechseljahre oder auch Operationen geschwächt, kann er die Stützfunktion nicht mehr ausreichend erfüllen.

Doch diese Muskulatur arbeitet im Geheimen, unbeachtet und tabuisiert – diese Beckenbodenmuskeln! Sie stehen für die eigene Gesundheit, Energie, Ausstrahlung und Lebensfreude.

Selbst wer sie kennt, kümmert sich nicht speziell um sie. Erst, wenn sie schlappmachen, fällt auf, was sie tagtäglich für den Körper leisten. Denn die handtellergrosse, aus drei Schichten bestehende Muskulatur kann weit mehr, als den menschlichen Beckenausgang wirksam verschliessen.

Innere Mitte stärken

Schwungvoll und lebendig

Der Beckenboden (pelvic base) ist das Powerzentrum in der Mitte des Körpers. Wer ihn aktiviert, kann sein Leben komplett verändern. Man wird leistungsfähiger und fitter, ist besser drauf und fühlt sich einfach jünger, sagen Fachleute der Körperpsychotherapie. Der Beckenboden verbindet Füsse und Beine mit dem Oberkörper und richtet den ganzen Körper auf.

«Diese Muskulatur rund um das Schambein ist der Schlüssel zu allen Bewegungen, zu guter Körperhaltung, zu Dynamik, stabilem Gleichgewicht und harmonischer Koordination. Eine solche Haltung strahlt nicht nur Schönheit und Stärke aus, sie macht zudem psychisch belastbarer, stabiler, gelassener.»
Jacqueline Trachsel

Für die asiatischen Bewegungslehren nichts Neues: Ob Yoga, Qi-Gong oder Aikido, sie alle nutzen den aktiven Beckenboden – auch wenn sie diese Kraft anders nennen – um den Fluss der Lebensenergie zu verbessern.

Beckenbodentraining im Alltag

Am besten so, dass das Beckenbodentraining in den Alltag integriert werden kann: Spazierengehen, Treppensteigen, Kisten heben, Gartenarbeit – das alles kann den Beckenboden trainieren, wenn erst mal das Gefühl für die notwendige Anspannung erspürt worden ist. Anfangs macht es deshalb Sinn, sich bewusst etwas Zeit fürs Üben zu nehmen, um diesen unbekannten Bereich des Körpers besser kennenzulernen.

Auf dem Markt gibt es spezielle Studios und Kurse sowie Videos mit Beckenboden-Übungen zum Nachmachen. Viele davon sind alltagstauglich und lassen sich zwischendurch absolvieren. Bei allen Übungen sollte das Becken fest werden, während Oberkörper, Schultern und Nacken frei und leicht bleiben. Wer das Gefühl hat, beim Anspannen des Beckenbodens grösser, nach oben gezogen
zu werden, macht es genau richtig.

Innere Mitte stärken

Bessere Körperwahrnehmung und -haltung

Mit dem Beckenbodentraining wird eine verbesserte Wahrnehmung des eigenen Körpers erreicht und das Bewusstsein für vernachlässigte Körperregionen gefördert. Hier geht es nicht um purzelnde Pfunde, Schweiss und Muskelzuwachs, sondern um ein Training tiefliegender Muskulatur; besonders auch zum Vorteil junger Mütter nach Geburt und Wochenbett. Das allgemeine Ziel aber ist ein funktionstüchtiger Beckenboden und das Bewusstsein für die Frau, wie sie diese bedeutsame Muskulatur im Alltag und in der Freizeit mit leicht umsetzbaren Übungen schützen und stärken kann. Denn sie trägt zu einer guten Körperhaltung bei und stabilisiert die inneren Organe – schwindet ihre Kraft, kann das zu erheblichen Problemen führen.

Symptome für einen schwachen Beckenboden

Es gibt unterschiedliche Symptome für einen schwachen Beckenboden.

Männer – besonders im Alter – leiden beispielsweise an Erektionsstörungen oder müssen nach Prostataoperationen mit Beckenbodenproblemen kämpfen.

Bei Frauen kann die Senkung der  Gebärmutter ein Symptom sein.

Beide Geschlechter leiden oft an Unterleibsschmerzen, Blasensenkung und unwillkürlichem Harn- und Stuhlverlust, also Inkontinenz, wobei Frauen viel häufiger betroffen sind als Männer.