29. April 2021

Mit Flaschen gegen den Klimawandel

Mit Flaschen gegen den Klimawandel
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Das Thema lässt niemanden kalt: Fast täglich informieren die Medien über Folgen des menschenverursachten Klimawandels. Vermehrt gibt es Organisationen und Bewegungen, die sich gegen den nachlässigen Umgang vieler Regierungen mit dem sich verschlechternden Zustand der Welt wehren. Doch wirklich betroffen sind wir in Europa nicht, weder physisch noch psychisch.

Mirko und Ruben, zwei diplomierte Betriebswirte aus Bern, haben diese Erfahrung gemacht: «Erst wenn man dort ist, realisiert man die tatsächliche Folgenschwere unseres Handelns», meint Ruben. «In der Schweiz wissen wir zwar von der massiven Plastikverschmutzung im asiatischen Raum, doch die Tragweite der Katastrophe können wir erst seit unserem Besuch vor Ort nachvollziehen.»

Die beiden ehemaligen Studenten entschieden sich während ihrer Ausbildung für ein Austauschsemester in Taiwan. Dort sei der Plastikmüll noch extremer als in der Schweiz, berichten sie, jede Frucht sei einzeln in mehrere Schichten Plastik eingewickelt, die Strände überschwemmt mit Abfall, die Möglichkeiten des Recyclings gering. Die Verschmutzung sei ausserhalb der Städte deutlich sichtbar.

Als Studenten reisten sie auf die Philippinen, mieden die touristischen Hotspots und entdeckten abgelegene Orte wie die Insel Siargao ganz im Westen. «Die Infrastruktur in Siargao ist primitiver als auf anderen Inseln: Die Bewohner*innen leben in einfachen Wellblechhütten und verbrennen ihren Abfall selbst, da es keine Entsorgungshöfe gibt, was uns sehr schockierte», erinnert sich Mirko. Sie stiessen auf sogenannte Secret Beaches, abgelegene Strände, deren Idylle überwältigend war – nur einfach mit Plastik mittendrin. Diese Erfahrungen regten zum Umdenken an; der bisherige Grundsatz «Umetröime u dänke, mir wei d’Wäut verbessere», wie sich Mirko ausdrückt, passte nicht mehr.

2019 gründeten sie die Revie GmbH unter dem Motto «Be part of the change». Der Plastikkonsum als solches war zunächst im Fokus des Unternehmens: Die Verwendung von PET-Flaschen kann durch die Nutzung nachhaltiger Edelstahlflaschen eingeschränkt werden. Nebst dem Einsatz für die Plastikreduktion im Alltag sollte das Projekt auch weitere menschenverursachte Probleme berücksichtigen, wie den erhöhten CO2-Ausstoss oder die Abholzung des Regenwaldes. So entstanden drei verschiedene Flaschenmodelle: die Sea Bottle, die Arctic Bottle und die Jungle Bottle. Bei jedem Verkauf einer dieser Trinkflaschen wird ein Teil des Erlöses an eine Organisation gespendet, die sich für eine nachhaltige Zukunft einsetzt.

«Die drei Modelle werden in China hergestellt; nach langem Zögern entschieden wir uns gegen eine Produktion in Europa, da die Kosten für uns nicht tragbar gewesen wären», erzählt Ruben. «Ganz wichtig aber waren uns faire Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen unserer Lieferanten; und da China direkt neben Taiwan liegt, hatten wir die Möglichkeit, uns vor Ort von der Qualität und Einhaltung der Arbeitnehmerrechte zu überzeugen.
Revie startete als Onlineshop; doch um den Umsatz auszubauen, muss mit Unternehmen zusammengearbeitet werden, die eine grosse Resonanz haben und natürlich einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit legen» – und deshalb erhielt REFORMHAUS vor einigen Monaten ein Päckli von Revie.

«Die Flaschen gefielen uns auf Anhieb», erzählt Claudia, «mit ihrem Design differenzierten sie sich von anderen; und das Farbkonzept passte erstaunlicherweise gut zu unserem, nur eine Farbe fehlte: gelb.» So entstand der erste Kontakt zwischen REFORMHAUS und Revie; mit der Absicht, nicht nur die bestehenden drei Flaschen zu vermarkten, sondern auch zusammen weiterzugehen, eine neue Flasche zu entwickeln, ein weiteres Projekt zu unterstützen.

Aus dieser Idee ging in enger Zusammenarbeit die vierte Flasche hervor: eine gelbe, die sogenannte Bee Care Bottle. Aus deren Erlös gehen jeweils fünf Franken an die Organisation Bienen Schweiz, die sich für den Erhalt der Biodiversität und die Gesundheit der Wild- und Honigbienen einsetzt.

Abschliessend künden Mirko und Ruben an, weitere Projekte in Zusammenarbeit mit REFORMHAUS zu verfolgen: «Es ist auch das langfristige Ziel, mehr Flaschen in unser Sortiment aufzunehmen; es gibt genügend Brandherde, derer wir uns annehmen könnten.»

Zusammenfassung von Anouk Spahr