Mit dem Winter kommt der Schimmel
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Herbst- und Winterzeit sind Schimmelzeit. Die Schimmelberaterin Anna Liechti verrät, was man gegen Schimmel machen kann und wann nur noch die Fachperson hilft.

Anna Liechti, in welcher Jahreszeit rufen am meisten Menschen an, die Schimmel bei sich zu Hause beklagen?

Die meisten Menschen melden sich wegen Schimmelbefall vor allem von Ende Oktober bis März.

Wieso ist die Herbst- und Winterzeit auch Schimmelzeit?

Während der Heizperiode, will heissen, sobald es draussen kalt ist und in der Wohnung geheizt wird, steigt das Risiko für Schimmelbefall in den eigenen vier Wänden an. Zudem wird im Winter oft zu wenig gelüftet, weil viele fälschlicherweise denken, sie verlieren dabei Raumwärme. Sie wollen durch spärliches Lüften steigende Heizkosten vermeiden.

Was raten Sie in diesen Fällen?

Das Haus oder die Wohnung regelmässig richtig zu lüften und sich bei Schimmelbefall umgehend bei der Hausverwaltung zu melden, damit eine Schimmelbekämpfung durchgeführt werden kann. Bei Feuchteschäden gilt sowieso eine Meldepflicht der Mieter*innen bei der Hausverwaltung.

Was kann man machen, um Schimmel zu vermeiden?

Es empfiehlt sich, kleine Schimmelpunkte sofort zu behandeln und nicht zuzuwarten, bis das Ausmass grösser wird. Dreimal täglich 5 bis 10 Minuten Querlüften, den Dampfabzug beim Kochen benutzen, nach dem Duschen immer lüften und regelmässig Staubsaugen sind einfache und alltägliche, aber wirkungsvolle Methoden gegen Schimmelbefall.

Wie funktioniert Querlüften?

Querlüften sorgt für einen schnellen Luftaustausch. In mehreren Räumen werden bei gegenüberliegenden Fenstern die Fensterflügel für 5 bis 10 Minuten ganz geöffnet. Das Fenster schräg zu stellen, reicht leider nicht aus, um die Schadstoffe vollständig aus dem Raum zu bekommen.

Schimmel vermeiden

Wer in übermässig feuchten Räumlichkeiten wohnt, tut gut daran, die Feuchtigkeit regelmässig abzuführen. Nachstehende Tipps helfen, Schimmel in den eigenen vier Wänden zu vermeiden.

Richtig Lüften

Regelmässig quer- oder stosslüften (siehe Interview). Menschen produzieren über den Atem und durch das Schwitzen viel Feuchtigkeit. Je mehr Leute zusammenwohnen, desto wichtiger ist es, regelmässig angemessen zu Lüften.

Keine Wäsche drinnen trocknen

Frisch gewaschene Wäsche nach Möglichkeit nicht in der Wohnung trocknen.

Optimale Raumtemperatur

Wohnung nie komplett auskühlen lassen, da dies die Luftfeuchtigkeit ansteigen lässt. Wohnräume angemessen beheizen. Ideal ist eine Raumtemperatur um die 20 Grad.

Optimale Luftfeuchtigkeit

Die optimale Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen liegt zwischen 35 und 50 Prozent. Keine Luftbefeuchter brauchen.

Badezimmer trocken halten

Nach dem Duschen die Wände mit dem Schaber abziehen und die Silikonfugen mit einem Tuch trocknen. Während des Duschens die Lüftung betätigen und nach dem Duschen die Fenster öffnen.

Dampfabzug nutzen

Beim Kochen den Dampfabzug nutzen.

Ab wann ist Schimmel in Wohnräumen gesundheitsgefährdend?

Schimmelbefall ab einem halben Quadratmeter gilt im Sinne der Gesundheitsvorsorge als inakzeptabel. Gefährdete Personen sollen wegen des hohen Risikos möglichst rasch den Arzt/die Ärztin aufsuchen. Dies betrifft vor allem Menschen mit Cystischer Fibrose (CF), eine angeborene Stoffwechselkrankheit, Asthma, und alle, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Aber auch an Krebs erkrankte Menschen.

In welchen Räumen fühlt sich Schimmel besonders wohl?

Schimmel breitet sich besonders gern an ungedämmten Aussenwänden, an der Decke oberhalb des Duschbereichs, in den Fugen, hinter der Raufasertapete und unter der Bodenleiste aus. Feuchte Kellerwände sind ebenfalls oft von Schimmel befallen.

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Wie geht eine Fachperson bei der Schimmelbekämpfung vor?

Zuerst wird eine oberflächliche Begutachtung durchgeführt, um das Ausmass abzuschätzen. Sie oder er nimmt dann eine Klebekontaktprobe für das Labor und führt Handmessungen bezüglich der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sowie Wandoberflächentemperatur durch. In der Folge ergibt die Ursachenfindung, ob ein Wasserschaden vorliegt, es Konstruktionsmängel oder Wärmebrücken gibt, die Möbel zu dicht an der Wand stehen, aufsteigende Kälte vorhanden ist oder Ähnliches besteht.

Wie wird der Schimmel dann beseitigt?

Die Schimmelbekämpfung beginnt mit einer oberflächlichen Desinfektion der betroffenen Räume, Flächen oder Orte. Der nächste Schritt ist ein vollständiger Materialrückbau, will heissen, das mechanische Entfernen des betroffenen Bereichs. Anschliessend erfolgt ein schimmelhemmender Wiederaufbau mit Kalk, den individuellen, örtlichen Gegebenheiten entsprechend. Die Schimmelsporen befinden sich meistens im Material, etwa im Glattputz oder unter der Tapete, im Holz, aber auch im Abrieb und im Deckenverputz.

Wie kann man Schimmel in der Wohnung oder im Haus selbst entfernen?

«Kleine Flecken, will heissen von der Grösse eines Zweifrankenstücks, oder aber auch Silikonfugen behandelt man am effektivsten mit 70-prozentigem Ethanol-Alkohol aus der Apotheke. Wichtig ist dabei, die Warnhinweise auf der Verpackung zu beachten sowie Handschuhe und Schutzmaske gegen die Dämpfe zu tragen.»
Anna Liechti

Grössere Flecken lassen sich unter Umständen mit Schimmelentfernungsmittel aus dem Fachhandel beheben beziehungsweise eindämmen. Sollte es in der Folge zu weiterem Schimmelbefall kommen, sollte man die Hausverwaltung benachrichtigen, damit eine Fachperson aufgeboten werden kann. Denn solange die Ursache nicht gefunden ist, wird der Schimmelpilz immer wieder nachwachsen.

Wann ist angeraten, von Schimmel befallenen Wohnraum zu verlassen?

Das Leben in einem vom Schimmel befallenen Haus oder einer Wohnung kann gesundheitsgefährdend werden, wenn man zu lange mit der Behandlung wartet. Insbesondere dann, wenn mehrere Zimmerwände mit massiv dichtem und grossflächigen Pilzbewuchs befallen sind, sich ablösender Schimmel in anderen Räumen verteilt und/oder durch den Sporenflug die Luft stark kontaminiert ist.

 

«Darum raten wir den Bewohner*innen bei einem Ausmass ab einem halben Quadratmeter Schimmelbefall den Pilz selbst mit Chlorsprays oder auch modernen Wasserstoffperoxid-Mischungen zu desinfizieren, anstatt zu warten, bis irgendwann ein Maler oder eine Fachperson aufgeboten wird.»
Anna Liechti

Die Haus- oder Wohnungswände sind durch das Schimmelwachstum sowieso beschädigt und müssen im Anschluss behandelt und neu gestrichen werden. Doch die Gesundheit geht in jedem Fall vor.

Weitere Informationen sowie die Infobroschüre des BAG «Schimmel in Wohnräumen» finden Sie hier

bag.admin.ch