Stieleiche
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Die Eiche versorgte die Menschen seit Urzeiten mit dem Nötigsten: Feuerholz, Bauholz und Nahrung. In ihr sah man männliche Stärke mit dem nährenden weiblichen Aspekt vereint.

Botanik

Die Stieleiche (Quercus robur) ist in ganz Europa verbreitet und auch bei uns recht häufig. Eine imposante Vertreterin ist die Chêne des Bosses, die bei Châtillon im Kanton Jura steht. Sie hat einen Stammumfang von knapp neun Metern und gilt als tausendjährig, wobei dies wohl zu hoch geschätzt ist. Sie ist auf jeden Fall etliche hundert Jahre alt, aber noch immer vital und ausnehmend harmonisch in ihrer Wuchsform – gut gealtert sozusagen.

Eichen gehören zur Familie der Buchengewächse. Weltweit gibt es mehrere Hundert Arten. Die Stieleiche wird bis zu 50 Meter hoch und gehört damit zu unseren höchsten Bäumen. Die mächtige Krone und die tief gefurchte, graubraune Borke tragen zur beeindruckenden Erscheinung bei. Junge Eichen gelten allerdings als heikel. Sie sind frostempfindlich und durch Schneedruck und Wildverbiss gefährdet. Neben der Stieleiche sind die Traubeneiche, die Zerreiche und die Flaumeiche einheimisch.

Heilig bis in alle Ewigkeit

Der Artname «robur» bedeutet Stärke. Die Eiche galt als Symbol der Ewigkeit, überdauert sie doch 30 Menschengenerationen.

Kein Wunder war der majestätische Baum in vielen Kulturen heilig und der höchsten Gottheit geweiht. Die keltischen Priester wurden nach der Eiche (keltisch = Duir) Druiden genannt. Die Dryaden, griechische Baumnymphen, hatten ihren Sitz in Eichen. Die Germanen hielten Rituale in heiligen Eichenhainen ab, die Unbefugte nicht betreten durften und in denen das Beschädigen von Bäumen oder das Töten von Tieren verboten war.

Nahrung und Lebensraum

Die Früchte, die Eicheln, halfen den Menschen stets über Krisenzeiten und Hungersnöte hinweg. Bereits die Steinzeitmenschen sammelten sie als Wintervorrat, enthalten sie doch viel Stärke, Fett und Eiweiss.

Da der hohe Gerbstoffgehalt zu Verdauungsbeschwerden führt, müssen die Früchte zuerst gut gewässert werden.

Auch Tiere lieben die Eicheln. Hausschweine wurden im Herbst in den Wald getrieben, um sich daran satt zu fressen.

Der ökologische Wert der Eiche ist riesig. Auf keiner anderen einheimischen Baumart leben mehr Insektenarten: 400 Schmetterlings-, 100 Käfer- und eine Vielzahl weiterer Insektenarten, aber auch Vögel, Säugetiere, Pilze, Flechten und Moose nutzen die Eiche als Nahrung und Lebensraum.

Die Eichgallwespe legt ihre Eier in die Blätter, die daraufhin runde Galläpfel bilden. Diese bestehen zu 60 Prozent aus Tannin und Gallussäuren. Sie wurden medizinisch verwendet, aber auch zur Herstellung von Tinte.

Potz Blitz

Eichenholz ist hart und witterungsbeständig. Englands Flotte war aus Eichenholz gebaut, ebenso die Dachstühle riesiger Kathedralen. Noch heute wird es zum Haus- und Möbelbau verwendet. Nicht zuletzt verleihen Eichenfässer Wein, Cognac und Whisky aromatische Geschmacksnoten.

Eine Bauernregel empfiehlt bei Gewitter: «Eichen sollst du weichen, Buchen musst du suchen.» Dies hängt damit zusammen, dass Eichen mit ihren Pfahlwurzeln oft bis ins Grundwasser vordringen und deshalb vermehrt von Blitzen getroffen werden. Die glatte, durchgängig feuchte Rinde der Buchen leitet Blitze in den Boden, ohne den Stamm zu beschädigen. Durch die gefurchte Rinde der Eiche dringt der Blitz tiefer in den Stamm und kann Teile davon explosionsartig wegsprengen. Bei Gewitter sollte man auf jeden Fall alleinstehende Bäume meiden.

Volksmedizin

Die gerbstoffreiche Eichenrinde wurde zum Gerben verwendet. Auch die Volksmedizin setzte auf die zusammenziehende, abdichtende und entzündungshemmende Substanz.

«Eichenrinden-Sitzbäder halfen bei Hämorrhoiden und Scheidenentzündungen, Waschungen bei Ekzemen, Juckreiz und übermässigem Schwitzen.»
Ursula Glauser-Spahni

Gurgeln mit Eichenrindentee besänftigte Rachenentzündungen und Angina, eingenommen half er bei Durchfall.

Gewässerte Eicheln, geröstet und gemahlen, stärkten als Eichelkaffee Kinder und alte Menschen, halfen aber auch bei Magenschwäche. Als Wirkstoffe finden sich Gerbstoffe, Ellagsäure, Gallussäure, Flavonoide, Catechin, Triterpene.

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Allheilmittel

Junge Eichenblätter enthalten weniger Gerbstoffe, aber mehr Flavonoide und Harze. Sie lassen sich in Frühlingssalate mischen, aber auch als Tee zubereiten. Dieser hilft bei Magen-Darm-Problemen.

«Zudem führt er dem Körper Kalzium zu und wirkt Osteoporose entgegen. Ja, er soll sogar die Gedächtnisleistung stärken.»
Ursula Glauser-Spahni

Als Dr. Bachs Blütenessenz hilft die Eiche Menschen, die sich trotz Überforderung durchbeissen und aufgrund ihres hohen Pflichtbewusstseins ihre Kräfte überfordern.

Das Knospenmazerat der Eiche wird aus sich entfaltenden Frühlingsknospen hergestellt. Durch eine vermehrte Kalzium­einlagerung in die Knochen beugt es Osteoporose vor. Es verleiht Energie, frische Tatkraft und regt die Hormonproduktion der Nebennierenrinde an – spürbar auch durch neue Lebenslust und höhere Libido. Es verbessert die Fruchtbarkeit und wirkt allgemein verjüngend, hilft bei chronischer Müdigkeit und Wechseljahr­symptomen von Mann und Frau – man fühlt sich wieder stark wie die sprichwörtliche Eiche.