01. Dezember 2023

Tiere als Souvenir

Tiere als Souvenir
Lesezeit ca. 5 min

Gab es früher noch klare Reisesaisons, wird heute quasi zu jeder Jahreszeit in die Ferien verreist. Möglich machen dies vielerorts auch mildere Temperaturen. Unverändert gerne werden aus den Ferien Tiere mit nach Hause genommen. Doch es wird davon abgeraten, etwa notleidende Tiere in die Schweiz zu importieren.

In vielen Feriendestinationen herrschen andere Vorstellungen bezüglich der Haltung von Hunden und Katzen als in der Schweiz. Der Anblick von abgemagerten, streunenden Tieren trifft tierliebende Urlauberinnen und Urlauber mitten ins Herz.

«Die Verlockung ist gross, einem notleidenden Tier helfen und ihm in der Schweiz ein schönes Zuhause bieten zu wollen.»
Susanna Steimer Miller

Ein Tier aus den Ferien mitzubringen, ist jedoch meist keine gute Entscheidung. So raten das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) sowie diverse Tierschutzorganisationen von diesem gewiss gut gemeinten Vorhaben ab.

Hände weg von Tiermärkten

Streunende Hunde sind oft schlecht sozialisiert. Sie sind sich an das Zusammenleben mit Menschen nicht gewöhnt und hätten grosse Mühe, viel Zeit in einer Wohnung zu verbringen, wird etwa gewarnt.

In manchen Ländern werden Jungtiere auf Märkten angeboten. Häufig werden diese Welpen oder Katzenbabys unter schrecklichen Bedingungen gezüchtet. Durch den Kauf solcher Tiere unterstützen Reisende den skrupellosen Tierhandel.

Tiere aus dem Ausland sollten nicht an Märkten gekauft werden

Einen Hund oder eine Katze sollte man sich nie aus einer spontanen Ferienlaune heraus anschaffen. Wer ein Heimtier bei sich aufnimmt, trägt für viele Jahre die Verantwortung dafür. Ausserdem ist die Haltung zeitaufwändig und mit Kosten verbunden. Und dann erlaubt nicht jeder Vermieter die Tierhaltung.

Risiko Tollwut und Parasiten

In der Schweiz gelang es mit grossen Anstrengungen, die Tollwut weitgehend auszurotten. 1996 erkrankte letztmals ein Hund daran. Deshalb gelten für die Einfuhr von Findeltieren aus Ländern, in denen Tollwut heute noch vorkommt, sehr strenge Vorschriften, die konsequent durchgesetzt werden.

Das BLV informiert, dass Jungtiere aus Tollwutrisikoländern frühestens im Alter von sieben Monaten und vier Monate nach der ersten Tollwutimpfung in die Schweiz eingeführt werden dürfen. Sind diese Anforderungen nicht erfüllt, wird das Tier entweder in das Herkunftsland zurückgeschickt oder eingeschläfert, falls eine Rückreise nicht möglich ist.

Immer wieder importieren tierliebende Menschen gedankenlos und ohne jegliche Vorbereitung Tiere aus den Ferien in die Schweiz – mit fatalen Folgen:

«Fehlende Impfungen, Bewilligungen oder Mikrochips sowie kupierte Schwänze und Ohren führen zur Beschlagnahmung am Zoll – und damit meistens zum Tod dieser Tiere.»
Susanna Steimer Miller

In Ländern, in denen Hunde und Katzen nicht regelmässig tierärztlich versorgt werden, können Parasiten und andere Erreger die Vierbeiner befallen, die zu schwerwiegenden und manchmal chronischen Erkrankungen führen können. Ob ein Tier befallen ist, erkennt man oft nicht auf den ersten Blick.

Das Findeltier in der Schweiz

Auch wenn es mit der Einfuhr eines Hundes oder einer Katze als Feriensouvenir klappt, endet das Abenteuer oft nicht mit einem Happy End. Häufig stellt sich nach den ersten Hochgefühlen bald die Ernüchterung ein, denn der zeitliche und finanzielle Aufwand der Tierhaltung wird oft unterschätzt.

«Jedes Jahr landen einige dieser tierischen Ferienmitbringsel in Tierheimen in der Schweiz, von denen viele seit der Pandemie am Anschlag sind.»
Susanna Steimer Miller

Füttern von Tieren im Ausland

Tierliebende Menschen lassen sich in den Ferien manchmal dazu verleiten, streunende Tiere zu füttern. Doch dieses Verhalten fördert deren Vermehrung. Besser ist es, lokale Tierschutzorganisationen zu unterstützen, die sich für die Kastration der Tiere einsetzen. Grundsätzlich sollten Reisende auch keine Wildtiere füttern, weder den zutraulichen Leguan auf der Restaurantterrasse in Costa Rica, noch die verspielten Affen in einer Tempelanlage in Thailand. Füttern kann aggressives Verhalten fördern. Zudem sind die Häppchen, die so manche Touristen Tieren unbedacht zuwerfen, nicht artgerecht.

Füttern von Tieren im Ausland