Unruhezustand im Alter
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Ältere Menschen sind nachts häufig unruhig, können sich dadurch selbst gefährden oder ihr Umfeld beeinträchtigen. Versetzt man sich in die Lage der Betroffenen, erscheint ihr Verhalten oft weniger unverständlich.

Ursachen für starke innere Unruhe

Wenn sich Senioren und Seniorinnen nicht mehr an Personen oder gemeinsame Erleb­nisse erinnern, reagieren sie unwillkürlich ablehnend gegenüber diesen Personen. Wer merkt, dass ihm einst selbstverständliche Dinge plötzlich schwerfallen, versucht dies zu verbergen und ist unzufrieden mit sich selbst, was oftmals negative Reaktionen auf «bevormundende» andere hervorruft. Häufig gesellt sich eine verstärkte Reizbarkeit bis hin zu aggressivem Verhalten und unkontrol­lierten Wutausbrüchen dazu und stellt somit eine mögliche Gefahr für die Person selbst oder für andere dar.

Patienten und Patientinnen, die unter innerer Unruhe leiden, werden im Alltag stark beeinflusst. Häufig können selbst einfache Aufgaben nicht mehr bewältigt werden, weil der permanente Un­ruhezustand die Gedanken prägt und zur Überforderung führt. Starke Unruhe, meist nachts, oft auch tagsüber, zeigen manche der Betroffenen, die an Fehlwahrnehmungen leiden, sich nicht mehr klar orientieren oder ihre Sinneseindrücke und ihre Umwelt nicht mehr adäquat verarbeiten können. Diesem Zustand, der zeitweise von einem Delirium kaum abgrenzbar ist, liegen unterschiedlichs­te organische oder psychische Ursachen zugrunde.

Zuwendung und Aushalten

Die Ursache der Symptome herauszufinden, kann sich schwierig gestalten, da der/die be­ tagte Patient*in manchmal keine zielführenden Angaben über seine/ihre aktuellen Leiden (beispielsweise zu hoher Blutdruck) machen kann. Wenn organisch keine Ursache gefun­den wird, zum Beispiel Schmerzen, hilft oft menschliche Zuwendung und Zeit:

«Es wirkt auf Betroffene beruhigend, wenn jemand 'ein­fach da ist', ihre Hand hält, sie einer ihnen vertraute Stimme zuhören können, die erzählt oder vorliest.»
Jacqueline Trachsel

Manchmal geht es aber auch nur darum, den Zustand der Betroffenen selbst auszuhalten, keine weitere Aktivität zu entfalten und sie nicht unter Druck zu setzen. Die Richtschnur dafür ist immer der/die Patient*in und nicht das Ruhebedürfnis von Angehörigen oder betreuendem Personal. Doch auch wenn sich der/die Geplagte beruhigt und die Unruhe nachlässt, sollte sein/ihr Zustand immer ärzt­lich oder psychotherapeutisch abgeklärt werden, um die zugrunde liegende Ursache herauszufinden.

Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus

Viele ältere Frauen und Männer leiden an Schlafstörungen. Gemeint sind verstärkte Nachtangst bei Schlafmittelabhängigkeit oder Angst vor der Umgebung. Bei einem solchen Unruhezustand, der häufig nachts auftritt, besteht erhöhte Verletzungs­ und Sturzgefahr für die Person selbst. Die Ange­hörigen können oft aus Angst und Besorgnis vor Unfällen auch nicht mehr schlafen. Im Gegensatz zu den von der Unruhe stark be­troffenen Personen, die tagsüber schlafen, können Familienmitglieder und Pflegende ihren Schlaf nicht nachholen, was zu Konflikten führen kann.

Was hilft bei gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus?

  • Unter Umständen helfen Lichttherapien. Dafür gibt es spezielle Tageslichtlampen, um den Schlaf­-Wach­-Rhythmus wie­der ins Lot zu bringen.
  • Als weitere Unterstützung, wenn Allgemein­massnahmen nicht greifen, kann versucht werden, den Unruhe­zustand mit Medikamenten zu lindern.
  • Als sinnvolle Ergänzung zur medikamen­tösen Therapie haben sich zudem Duftaromen und beru­higende Musik bewährt.
«Medikamente sind wichtig bei der Behandlung, können aber selbst Ursache nächtlicher Verwirrtheitszustände sein.»
Jacqueline Trachsel

«Dilemmasituation» bezeichnen Ärzte und Ärztinnen den nächtlichen Unruhezustand jener älteren Menschen. So kann bei der Ein­nahme von Beruhigungsmitteln eine soge­nannte paradoxe Reaktion auftreten, obwohl das Medikament eigentlich beruhigend wirken sollte. Bei Verdacht auf einen Verwirrtheits­zustand wird deshalb zur Objektivierung ein ärztlicher Test angewendet, der die Domänen Wachheit, Orientierung, Aufmerksamkeit und Symptomfluktuation überprüft, ebenso allfällige Neben­ und Wechselwirkungen der verordneten Medikamente.