01. Dezember 2023

Wie gefährlich ist Schwindel?

Wie gefährlich ist Schwindel?
Lesezeit ca. 4 min

Schwindel ist ein Warnsignal und sollte immer ernst genommen werden, vor allem wenn er plötzlich auftritt. Im schlimmsten Fall deutet er auf einen Hirnschlag hin. Eine sorgfältige, systematische Abklärung ist wichtig, um solche Fälle frühzeitig zu erkennen oder auszuschliessen.

Fast jeder Mensch leidet mindestens einmal im Leben an Schwindel. Dem Symptom auf die Spur zu kommen, ist oft schwierig, da schon die Definition schwierig ist.

«Schwindel ist ein subjektives Krankheitsgefühl mit nachfolgender gestörter Orientierung im Raum und wird von jedem Menschen anders interpretiert.»
Dr. med. Claudia Candreia

Die Ursachen sind vielfältig und häufig multifaktoriell. Als Alarmsymptom ist Schwindel häufig auch mit der Aktivierung des vegetativen Nervensystems und Symptomen wie Schwitzen, Übelkeit und Angst verbunden.

Zwei Schwindel-Kategorien

Es gibt zwei grosse Gruppen von Schwindel: mit oder ohne Störung des Gleichgewichtssystems.

Die Kategorie ohne Gleichgewichtsstörung ist sehr heterogen und umfasst alle möglichen Erkrankungen wie Blutdruck- und Blutzuckerstörungen, Angstzustände, Medikamenten-Nebenwirkungen und viele mehr. Solche Störungen sind sehr häufig. Die Hausarztpraxis ist die richtige erste Anlaufstelle. Dort kennt man das Gesundheitsprofil der Patienten sehr gut, erfasst schnell Abweichungen und übernimmt die erste Weichenstellung in der Abklärung.

Zum Gleichgewichtssystem gehören die peripheren Sensoren – Augen, Gleichgewichtsorgane und Tastsensoren in Muskeln und Gelenken – und die Integrationszentren im Gehirn. Die zweite Gruppe – mit Störungen des Gleichgewichts – umfasst Störungen der peripheren Sinnesorgane, der verarbeitenden Zentrale (Gehirn) und der Zusammenarbeit der beiden.

Befragung und Provokationstests

Ziel einer Schwindelabklärung ist immer die schnellstmögliche Einordnung in die richtige Kategorie mit einer strukturierten Befragung und diversen Provokationstests.

Leitbefund der Störungen des Gleichgewichtssystems ist der sogenannte Nystagmus, eine unwillkürliche Augenbewegung mit einer schnellen und einer langsamen Komponente. Nystagmen, meist als verschwommenes Sehen wahrgenommen, sind vor allem zu Beginn der Schwindelbeschwerden vorhanden.

«Deshalb lohnt sich eine frühe Abklärung, bevor die Befunde durch Kompensationsmechanismen verschleiert werden.»
Dr. med. Claudia Candreia

Zuweisung an Spezialisten

Spezialisierte Schwindelabklärungen werden auf Zuweisung durch HNO-Ärzte, Neurologinnen oder Augenärzte durchgeführt.

Ergibt die fokussierte Abklärung klare Hinweise auf eine Störung des Gleichgewichtsorgans, ist ein Hirnschlag unwahrscheinlich. In der Akutphase ist die strukturierte klinische Untersuchung sogar zuverlässiger, als eine Magnetresonanztomographie (MRT), um eine Durchblutungsstörung im Hirnstamm und Kleinhirn auszuschliessen.

Alarmsymptome für eine neurologische Störung sind Erinnerungslücken, Bewusstseinsveränderungen und Doppelbilder. Oder auch Ausfallserscheinungen wie Gefühlsstörungen sowie Muskelschwäche und ungewohnte Kopfschmerzen. Eine zunehmende Verschlechterung bei den Symptomen ist ebenfalls alarmierend.

Tagebuch führen

Wiederkehrende Schwindelepisoden sind am schwierigsten einzuordnen, da zum Zeitpunkt des Arztbesuches oft keine Beschwerden bestehen. Hier lohnt es sich, die Episoden mit Dauer, Auslösern und Begleitumständen in einem Tagebuch festzuhalten. Ist der Schwindel richtig eingeordnet und eine gefährliche Schwindelform ausgeschlossen, kann meist durch Behandlung der Ursachen oder mit einer Übungsbehandlung bei allen am Gleichgewicht beteiligten Systemen eine Besserung erreicht werden.

Auch schon das Wissen, dass die Beschwerden eingeordnet werden können, erleichtert vielen Betroffenen den Umgang damit: Wissen ist besser als Unwissen.

Lassen Sie Hörstörungen und Schwindel abklären.

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