26. Januar 2024

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Gibt es im zentralen Sehbereich Flecken oder Verzerrungen, könnte eine Makuladegeneration (AMD) vorliegen.

Die altersbedingte Augenkrankheit Makuladegeneration (AMD) kann zur Erblindung führen. AMD gibt es als feuchte oder trockene Variante. PD Dr. med. Andreas Weinberger von den Pallas Kliniken informiert.

Was ist eine Makuladegeneration?

Stellen Sie sich vor: Sie schauen in ein Gesicht, doch dieses verschwimmt oder verschwindet ganz. Oder sie haben zunehmend Probleme bei der zentralen Sehschärfe. Oder Ihnen erscheinen eigentlich gerade Linien gewellt und es gibt im zentralen Sehbereich störende dunkle Flecken. Dies alles deutet auf eine altersbedingte Makuladegeneration (AMD) hin, die entweder als trockene oder feuchte Form auftreten kann.

Mit etwa 80 bis 90 Prozent ist die trockene Variante klar häufiger. Schreitet sie meist nur langsam voran, geht es bei der selteneren feuchten Makuladegeneration schneller. Letztere ist oft mit einem schwerwiegenderen Sehverlust verbunden. Möglich ist das gleichzeitige Auftreten beider AMD-Versionen.

Geschädigte Makula

Gemäss PD Dr. med. Andreas Weinberger von der Pallas Kliniken kommt es bei der altersbedingten Makuladegeneration in der zentralen Netzhaut zu Veränderungen: «Die sogenannte Makula ermöglicht uns die höchste Sehschärfe. Beim Sehvorgang entstehen dort Abfallprodukte des Stoffwechsels, die in die angrenzende Aderhaut entsorgt werden. Dafür verantwortlich ist das Pigmentepithel der Netzhaut, das sich zwischen Netzhaut und Aderhaut befindet.»

Wie PD Dr. Weinberger weiter ausführt, «können an dieser Grenze zwischen Netzhaut und Aderhaut aber Stoffwechselprodukte liegen bleiben und sich anreichern». Dies könne die Stoffwechselvorgänge verschlechtern. Als Folge könnten bei der feuchten AMD aus der Aderhaut Blutgefässe in die Makula einwachsen und diese vernarben lassen, oder das Pigmentepithel sterbe im Falle der trockenen AMD langsam ab.

Risiken: Alter und Rauchen

Weltweit gibt es rund 200 Millionen Betroffene: «Es wird erwartet, dass die Zahlen aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung weiter ansteigen werden», erklärt Weinberger. Auf das Alter umgelegt, betreffe AMD rund einen Viertel der zwischen 65- bis 74-Jährigen. Bei Menschen zwischen 70 und 95 Jahren komme sie bei fast 45 Prozent vor:

«Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Lebensalter.»
PD Dr. med. Andreas Weinberger

Grösster beinflussbarer Risikofaktor ist laut dem Netzhautchirurgen das Rauchen:

«Raucher erkranken zwei bis vier Mal häufiger an einer AMD als Nichtraucher.»
PD Dr. med. Andreas Weinberger

Erhöhter Blutdruck, Übergewicht und ungesunde Ernährung bezeichnet er als «ungünstig»: «Ein zusätzlicher Risikofaktor können genetische Faktoren sein», ergänzt Andreas Weinberger.

Verschiedene Verläufe einer Makuladegeneration

Herr Dr. Weinberger, wie unterscheiden sich die AMD-Varianten?

Bei der feuchten Form kommt es recht schnell zu einer Verschlechterung des Sehens, es gibt einige gute Medikamente, um dies zu behandeln. Die trockene Form schreitet nur langsam voran, kann aber dennoch mit der Zeit eine starke Sehverschlechterung verursachen.

Was sind erste Anzeichen?

Dazu gehören eine Sehverschlechterung, Verzerrtsehen, ein schlechteres Kontrastsehen, sowie ein langsameres Anpassen von einer hellen Umgebung in eine dunkle Umgebung.

Was gibt es für Behandlungen?

Bei der feuchten Form kann man im Auge mit Medikamenten den Wachstumsfaktor VEGF blockieren, er regt die Gefässbildung an. Gegen trockene AMD gab es bislang keine Behandlung.

Kürzlich wurden in den USA Injektionen mit dem Wirkstoff Pegcetacoplan gegen die geographische Atrophie zugelassen. Diese ist eine Folge trockener AMD, dabei erscheinen am Augenhintergrund Gebiete von gesunder und atrophischer Netzhaut wie Landkarten. Es kommt zum Absterben der Pigmentepithelzellen und an den betroffenen Netzhautstellen funktionieren die Photorezeptoren nicht mehr, sodass diese Bereiche im Blickfeld fehlen. Aktuell ist aber in Europa die Zulassung noch pendent.

Augenärztliche Untersuchungen können helfen, eine Makuladegeneration frühzeitig zu erkennen.

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