01. Dezember 2023

Notfall Hirnschlag

Notfall Hirnschlag
Lesezeit ca. 7 min

Bei einem Hirnschlag gilt es in erster Linie, ihn zu erkennen und dann möglichst schnell zu handeln. Eine sofortige Behandlung kann die Schäden im Gehirn begrenzen und das Schlimmste verhindern. Worauf kommt es an?

Hirnschlag oder Schlaganfall?

Hirnschlag oder Schlaganfall? Hirninfarkt, Stroke, Insult oder Apoplex? Viele Begriffe, die alle dasselbe bezeichnen. Nämlich, dass Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Die betroffenen Nervenzellen im Gehirn erhalten somit zu wenig oder keinen Sauerstoff mehr und beginnen schon nach kurzer Zeit abzusterben.

Bei einem sogenannten «Schlegli» beziehungsweise einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) ist die Durchblutung bestimmter Hirnregionen nur vorübergehend eingeschränkt. Es kann sich dabei aber um einen Vorboten für einen Schlaganfall handeln.

Zwei verschiedene Ursachen

In den meisten Fällen handelt es sich bei einem Hirnschlag um einen Gefässverschluss. Dieser wird als ischämischer Schlaganfall bezeichnet. Die Ursache: meist eine Arteriosklerose. Bei dieser Erkrankung lagern sich über Jahre Kalk, Blutfette und Bindegewebszellen an den Gefässwänden ab. Diese sogenannten Plaques verengen die Blutgefässe mehr und mehr. Jetzt können Blutgerinnsel (Thromben) an diesen engen Stellen hängen bleiben und das betroffene Gefäss verstopfen.

Anders bei einem hämorrhagischen Schlaganfall, der jedoch nur etwa 15 Prozent aller Hirnschläge ausmacht: Hier handelt es sich um eine Hirnblutung, die durch verletzte Gefässe, etwa infolge eines Unfalls oder eines geplatzten Aneurysmas, entsteht. Das austretende Blut quetscht die kleinen Gefässe, die den Sauerstoff im Gehirn verteilen. Auch hier kommt es zu einem Sauerstoffmangel in bestimmten Hirnregionen.

Symptome eines Hirnschlags erkennen

Jeder Hirnschlag ist mit Ausfällen der Gehirnfunktion verbunden. Wie die Symptome genau ausehen, hängt davon ab, welche Hirnregion nicht mehr durchblutet wird. Hier die häufigsten Anzeichen für einen Schlaganfall:

  • Halbseitige Lähmungen oder Gefühlsstörungen im Gesicht, den Armen oder Beinen: Die betroffene Person kann etwa nur noch einen Arm heben oder ein Mundwinkel hängt herab.
  • Sprachstörungen oder Wortfindungsstörungen: Das Sprechen fällt schwer und die Sprache ist undeutlich und kaum mehr verständlich.
  • Sehstörungen: Die betroffene Person nimmt plötzlich Doppelbilder wahr oder sieht nichts mehr.
  • Starker Schwindel mit Gangunsicherheit, Gehunfähigkeit, Gleichgewichtsstörungen, Erbrechen und Übelkeit.
  • Im Falle einer Hirnblutung häufig auch plötzlich einsetzende, starke Kopfschmerzen.
«Bei einem Verdacht auf einen Hirnschlag muss sofort die Nummer 144 alarmiert werden. Jede Minute zählt! Denn je schneller gehandelt wird und die Patientin oder der Patient in eine sogenannte Stroke Unit gelangt, desto mehr Nervenzellen können erhalten werden und desto geringer fallen die Folgeschäden aus.»
Christiane Schittny

Die Stroke Unit

Was genau ist eine Stroke Unit? Das ist eine Spezialstation, auf der Schlaganfallpatientinnen und -patienten nach einem Hirnschlag behandelt werden. Der Name stammt aus dem englischen. «Stroke» bedeutet so viel wie Schlag, und «unit» ist eine Einheit. Also «Schlag(anfall)-Einheit» oder «Schlaganfall-Station».

Eine Stroke Unit verfügt über alle notwendigen diagnostischen und therapeutischen Geräte oder Massnahmen, die für die Versorgung der Betroffenen notwendig sind. Dazu gehören zum Beispiel bildgebende Verfahren (Computertomografie – CT, oder Magnetresonanztomografie – MRI oder auch MRT), eine Thrombolyse (medikamentöse Auflösung des Thrombus) oder eine Thrombektomie (mechanische Entfernung des Blutgerinnsels).

Eine Stroke Unit wird von einem erfahrenen Team verschiedener Fachärzte und Fachärztinnen auf Gebieten der Neurologie, Kardiologie, Radiologie, Anästhesiologie oder Neuro- und Gefässchirurgie betreut. Sie alle arbeiten Hand in Hand, sodass eine optimale Versorgung gewährleistet ist. Speziell für den neurologischen Bereich ausgebildete Pflegekräfte sowie Spezialistinnen und Spezialisten in den Disziplinen Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie ergänzen das Team.

In der Schweiz gibt es über 25 Stroke Units und Stroke Centers. Letztere sind vornehmlich in den grösseren Zentrumsspitälern angesiedelt, fallen in den Bereich hochspezialisierte Medizin und sind in sämtlichen Belangen rund um die Uhr einsatzbereit.

Erste Notversorgung

Das Ziel einer jeden Behandlung muss sein, die Durchblutung so schnell wie möglich wieder in Gang zu setzen. Denn einmal abgestorbene Hirnabschnitte können nicht mehr gerettet werden.

Einerseits kommt die Lysetherapie (Thrombolyse) zum Einsatz. Sie wird bei einem ischämischen Hirnschlag mit Gefässverschluss eingesetzt und sorgt dafür, dass das Blutgerinnsel mithilfe entsprechender Medikamente aufgelöst wird.

Eine andere, modernere Methode ist die Entfernung des Gerinnsels aus dem Blutgefäss mithilfe eines Katheters. Dieses Verfahren nennt man Thrombektomie. Es kann aber nicht in allen Fällen angewendet werden. Bei einer Hirnblutung geht es darum, den erhöhten Hirndruck, der durch die Blutung ausgelöst wird, zu reduzieren. Dafür ist unter Umständen ein chirurgischer Eingriff notwendig. Gelingt die Druckreduktion, kann das sauerstoffreiche Blut wieder ungehindert alle Hirnregionen versorgen.

Rehabilitation nach einem Hirnschlag

Geschädigtes, aber noch lebendes Hirngewebe kann durch intensives Training neu aktiviert werden. Dabei bilden sich neue Nervenverknüpfungen und verlorene Fähigkeiten können wiedererlernt werden. Je schneller mit dem Training begonnen wird, desto besser sind die Aussichten auf Erfolg. Deshalb wird meist schon während des Spitalaufenthaltes damit angefangen. Doch danach geht es weiter. Oft erst in einer speziellen Rehaklinik, dann mit einer Langzeit-Reha. Je nach Schwere der Hirnschädigung kann es durchaus gelingen, ins alte Leben zurückzufinden.

Notfall Hirnschlag

Hirnschlag vorbeugen

Es sind einige Risikofaktoren bekannt, die einen Hirnschlag begünstigen können. Dazu gehören Übergewicht, eine einseitige Ernährung, zu wenig Bewegung, Stress, Rauchen und Alkohol oder auch erhöhte Cholesterin- oder Blutdruckwerte. Daraus ergeben sich folgende Massnahmen, durch die das Risiko eines Hirnschlags gesenkt werden kann:

Genügend Bewegung

Genügend Bewegung in den Alltag einbauen. Mit kleinen Übungseinheiten starten und langsam steigern.

Gesunde Ernährung

Gesund, vitaminreich und massvoll essen. Früchte und Gemüse, Vollkornprodukte und hochwertige Fette bevorzugen. Genügend Trinken nicht vergessen.

Gewicht reduzieren

Das Gewicht im Auge behalten. Wenn nötig durch eine Anpassung des Lebensstils langfristig abnehmen.

Gesunder Lebensstil

Auf Zigaretten und auf zu viel Alkohol verzichten. Dadurch ist schon viel gewonnen.

Stress reduzieren

Stress möglichst reduzieren. Versuchen, alles etwas ruhiger angehen zu lassen.

Blutdruck senken

Zu hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte medikamentös behandeln lassen, sodass sie auf ein normales Niveau abgesenkt werden.