Sandelholz – pflanzliches Gold
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Sandelholz (Santalum) aus der Familie der Sandelholzbäume (Santaleae).

Sandelholz: pflanzliches Gold

In Asien ist Sandelholz so etwas wie bei uns Kamillenblüten: Sandelholz ist in jeder Hausapotheke in irgendeiner Form für die natürliche Behandlung vorrätig. Sandelholzprodukte werden bei den Asiaten auch als pflanzliches Gold bezeichnet. Sie nutzen jedoch nicht nur das Holz, sondern auch Öl aus den Wurzeln. Dafür müssen die Bäume ausgegraben werden.

Die Pflanze beginnt erst im Erwachsenenalter, die wertvollen Inhaltsstoffe in grösseren Mengen zu produzieren. Das weisse Sandelholz ist wegen seinem betörend herben Duft sehr gefragt und die Bäume sind in ihrer Existenz bedroht.

«Sandelholzbäume sind so sehr in Gefahr, dass die indische Regierung deren Pflege und Holzgewinnung unter staatliche Kontrolle stellen musste. Inzwischen gehört der Baum zu den vom Aussterben bedrohten Arten und sein Schutz vor dem Abholzen ist wirklich notwendig.»
Judith Dominguez

Das hat allerdings die Preise für die begehrten Produkte in die Höhe schnellen lassen.

Wo viel Geld verdient werden kann, sind bald auch findige Fälscher am Werk. Deshalb gibt es eine Vielzahl von Sandelholzprodukten, die kein Santalum album, sondern andere, weniger stark duftende Bäume mit ähnlichen Inhaltsstoffen enthalten. Allerdings ist der Baum selbst auch nicht gerade zimperlich. Er gehört nämlich zu den Halbparasiten und nützt andere Gewächse schamlos aus.

Heilende Wirkung

In der tropischen Heimat der Sandelholzbäume nutzt man das Holz seit Urzeiten in der traditionellen einheimischen Medizin. Dank der Globalisierung ist dieses natürliche Heilmittel inzwischen auch in Europa anerkannt.

In der pharmazeutischen Weltsprache heisst das weisse Sandelholz Santali albi lignum und das daraus gewonnene Öl Santali albi aetheroleum. Der medizinale Hauptwirkstoff ist das Santalol, ein Alkohol.

«Dieser wirkt gegen Harnwegsinfekte fast so gut wie Antibiotika, nur ohne Nebenwirkungen.»
Judith Dominguez

Bei Prüfungsangst hilft, einen Tropfen Öl auf ein Taschentuch zu träufeln und immer mal wieder daran zu schnuppern. Das Öl wirkt angstlösend und beruhigend, stärkt aber gleichzeitig die Konzentration.
Das Öl kann auch in Form eines Umschlages angewendet werden, bei Muskelkrämpfen zum Beispiel oder zum Lösen von Verspannungen.
Die antibiotische Wirkung ist nützlich für die punktuelle Behandlung von Aknen, die mit einem mit Sandelholzöl benetzten Wattebausch abgetupft werden. Zudem wirkt das Öl gegen Juckreiz.

Innerlich wird das heilende Holz eher seltener verwendet. Es lässt sich aber ein schmackhafter Tee aus dem fein gehaspelten Holz aufbrühen; diesen trinkt man bei Harnwegsinfekten. Die Inhaltsstoffe des Sandelholzes beruhigen die gereizten Schleimhäute und bringen die Bakterien in arge Bedrängnis.

In Kosmetika und Räuchermischungen

Das weisse Gold ist nicht nur als Medizin beliebt, sondern hat auch einen festen Platz in der Kosmetik. Die Borke der Bäume duftet herrlich; und wer keinen Garten in den Tropen sein Eigen nennt, muss sich auf andere Weise behelfen. Das durch Dampfdestillation gewonnene Öl ist leicht und verdampft schnell. Dabei werden die holzigen Düfte in der Luft verteilt. Das wird in kosmetischen Produkten als Parfümkomponente genutzt. Doch nicht nur das: Die Inhaltsstoffe machen die Haut geschmeidig.

Mit Sandelholz kann man gut räuchern. Der Rauch riecht würzig nach Holz, weil durch das Verbrennen der duftende Alkohol verdampft.

«Da die Inhaltsstoffe entzündungshemmend wirken, ist eine Räucherung bei Erkältungen gut. Gleichzeitig wird im Raum eine Atmosphäre der Ruhe geschaffen und das tut den überreizten Nerven gut.»
Judith Dominguez

Deshalb ist Sandelholzpulver in vielen beruhigenden Räuchermischungen, in Räucherstäbchen und Pulver enthalten. Kein Wunder also, dass Sandelholz in der Aromatherapie einen festen Platz hat.