Seniorenreisen optimal planen
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Der dritte Lebensabschnitt eröffnet neue Freiheiten: Viele Seniorinnen und Senioren freuen sich über vermehrte Zeit zum Reisen. Warum nicht der Winterkälte entfliehen? Doch die Angebote sind sehr unterschiedlich. Worauf sollten Sie bei der Auswahl achten?

Lange hatte sich Georgette Müller (Name geändert) auf ihre Reise auf die griechischen Inseln gefreut. Am ersten Ferientag lernte sie allerdings vor allem die Notfallstation des örtlichen Spitals kennen. Wegen Übelkeit, Schwindel und Atembeschwerden diagnostizierten die Ärzte akute Kreislaufprobleme.

Der Blutdruck der 69-Jährigen ist infolge einer Unterfunktion der Schilddrüse grundsätzlich eher tief. Die ungewohnt hohen Temperaturen in Griechenland überforderten ihren Organismus. Sie erhielt ein den Kreislauf unterstützendes Medikament sowie die Empfehlung, viel zu trinken, sich öfter hinzulegen und Anstrengung zu vermeiden.

Sich Zeit lassen zum Akklimatisieren

Schwierigkeiten mit der Akklimatisierung bescheren häufig Reisebeschwerden. Der Temperaturunterschied zwischen dem Start in der kühlen Schweiz und der Hitze oder der feuchten Schwüle in der Zieldestination kann 20 bis 30 Grad betragen.

«Diese Umstellung innert Stunden stellt den Organismus vor grosse Herausforderungen. Geben Sie ihm deshalb die ersten zwei, drei Tage Zeit zum Angewöhnen, und starten Sie nicht gleich mit einem umfangreichen Besichtigungsprogramm.»
Adrian Zeller

Besonders Menschen mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie der Atemwege sollten grosse Anstrengungen vermeiden. Besichtigungstouren mit Fussmärschen, Treppensteigen und längerem Stehen bedeuten gerade für ältere Personen eine Herausforderung. Das ideale Motto heisst deshalb: «Weniger ist mehr.» Wenn Sie das heisse oder feuchtwarme Klima manch tropischer Destinationen grundsätzlich schlecht vertragen, so wählen Sie entweder eine entsprechend angepasste Reisezeit, oder achten auf gut klimatisierte Transportmittel und Hotels.

Nehmen Sie immer ein Getränk für unterwegs mit: Der Körper verliert über die Atemluft und das Schwitzen Flüssigkeit. Wird diese nicht ausreichend kompensiert, sind Schwindel, Kopfschmerzen, Gedächtnisstörungen und Schlappheit mögliche Folgen. Je nach Situation sind auch ein Sonnenhut sowie ein UV- Schutz für die Haut unverzichtbar.

Eigene Bedürfnisse analysieren

Die Reiseangebote werden immer vielfältiger: Städtereisen, Kreuzfahrten, Wellnessaufenthalte, Busreisen, Campingferien, Velourlaub – die Liste liesse sich beliebig verlängern. Bei so vielen verlockenden Angeboten fällt es nicht leicht, die passende Wahl zu treffen.

«Während sich junge Menschen oft ungezwungen ins Reiseabenteuer stürzen und Spass und Erlebnisse im Vordergrund stehen, legen ältere Menschen eher Wert auf Sicherheit sowie auf einen gewissen Komfort.»
Adrian Zeller

Um die passende Wahl zu treffen, ist es hilfreich, sich über das Motiv und die Rahmenbedingungen der Reise Gedanken zu machen: Soll sie der Erholung dienen? Will man eine unbekannte Region entdecken? Soll der Urlaub kindertauglich für die Enkel sein? Ist eine möglichst umweltverträgliche Reise gewünscht? Muss medizinische Hilfe bei Bedarf rasch erreichbar sein? Dürfen die Ferien nicht viel kosten? Und dann fragt man sich vielleicht auch, ob man allein oder zu zweit verreist. Vielleicht wollen Paare auch mal getrennt verreisen. Schliesslich verbringt man im Alter oft sehr viel Zeit miteinander – einige Tage Distanz können neuen Gesprächsstoff liefern.

Die richtige Reiseform wählen

Die vor allem während der Pandemie sehr populär gewordenen Reisen im Wohnmobil oder im Wohnwagen gewähren grosse Entscheidungsfreiheit. Auch ein Mietauto oder ein Hausboot bieten in der Ferne viel Unabhängigkeit. Werden Ihre Nerven beim Autofahren ab ständigem Gehupe, einem forschen Fahrstil und verstopften Strassen rasch strapaziert? Dann sollten Sie Ihre Reisewünsche entsprechend anpassen.

«Nur wer sich am Steuer auch in einer ungewohnten Umgebung sicher fühlt und keine Augenprobleme hat, kommt mit dieser Reiseform auf seine Rechnung.»
Adrian Zeller
Eine Reise im Wohnmobil ermöglicht viele Freiheiten, ist jedoch nicht für jede ältere Person die optimale Reiseform.

Auf eigene Faust geplante Touren bieten grundsätzlich viel Flexibilität hinsichtlich Reiseroute und Programm sowie bezüglich der Wahl von Restaurants und Unterkunft. Individualreisen erhöhen die Chancen auf Zufallsentdeckungen und -begegnungen abseits der Touristenzentren. Spontane Änderungen des Programms aufgrund des Wetters oder anderer Umstände sind leicht möglich.

Für Reisende, die kaum Fremdsprachen beherrschen und nicht gerne improvisieren, ist diese Form weniger geeignet. Wer beispielsweise mit Auslandreisen wenig Erfahrung hat oder gesundheitlich dauerhaft beeinträchtigt ist, kommt mit einer Individualreise womöglich an seine Belastungsgrenzen.

Seniorenreisen in der Gruppe

Alternativ bieten sich Gruppenreisen an: Dabei müssen Sie sich wenig um organisatorische Fragen kümmern. Essen und Unterkunft sind in der Regel von verlässlicher Qualität. Die Teilnehmenden werden von Ortskundigen geführt. So gelangen Sie rasch und zielsicher zu Ihren Unterkünften, zu Restaurants und Sehenswürdigkeiten. Auch zum Shoppen erhalten Sie Tipps. Bei gesundheitlichen Problemen oder anderen Schwierigkeiten ist die erfahrene Reiseleitung für Sie da.

«Insbesondere Flusskreuzfahrten sowie Busreisen sind bei älteren Personen sehr beliebt. Diese Reiseformen sind vor allem für Menschen geeignet, die grossen Wert auf Geselligkeit legen – beispielsweise Alleinstehende.»
Adrian Zeller

In Reisegruppen finden sich meistens schnell Gleichgesinnte. Allerdings ist eine gewisse Anpassungsfähigkeit gefragt, denn Reisegemeinschaften berücksichtigen individuelle Vorlieben und Abneigungen nur beschränkt. Auch Toleranz ist gefordert: Man kann sich die Mitreisenden nicht aussuchen und muss sie so akzeptieren, wie sie sind.

Gruppenreisen können für ältere Personen eine gute Wahl sein.
Mit einer Fernreise den Horizont zu erweitern, ist im Alter eine bereichernde Aktivität. Sie sollte aber möglichst gut vorbereitet sein.

Reisen im Alter – medizinisch vorbereitet sein

Auch bei der Ernährung gilt es, einiges zu beachten. Nicht alle Menschen vertragen exotische Speisen – die Verdauung kann an ihre Grenzen gelangen. Halten Sie sich in Zweifelsfällen bei der Menüauswahl an leicht verträgliche Speisen oder nehmen Sie einen Vorrat an Medikamenten mit, die einen unruhigen Bauch besänftigen.

Im dritten Lebensabschnitt nehmen verschiedene Langzeitleiden zu: Beispielsweise sind rund 500 000 Personen in der Schweiz von Zuckerkrankheit betroffen, viele von ihnen sind über 60 Jahre alt. Dank medizinischem Fortschritt ist ein aktiver Alltag heute auch mit Diabetes möglich. Informieren Sie sich als Diabetiker*in vor einem Reiseantritt über die zu beachtenden Themen bezüglich Ernährung und Medikamenteneinnahme. Leiden Sie an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder an Schwindel, so lassen Sie sich fachkundig beraten. Je nach Destination sind zudem Impfungen erforderlich.

Weiter ist es wichtig, sich über die Versicherungsleistungen bei allfälligen medizinischen Behandlungen zu informieren. Lassen Sie sich auch über den allfälligen Medikamentenkauf im Ausland beraten: Medikamente heissen nicht in allen Ländern gleich.

«Für die Grenzkontrollen sind ärztliche Atteste zu den mitgeführten rezeptpflichtigen Medikamenten sinnvoll. In manchen Ländern dürfen gewisse persönliche Arzneien nur eingeführt werden, wenn eine medizinische Bescheinigung vorliegt.»
Adrian Zeller

Vorsicht bei alkoholischen Getränken

Bei hohen Temperaturen sind erfrischende wie alkoholhaltige Durstlöscher besonders geschätzt. Allerdings wirkt der Alkohol bei Hitze rascher und intensiver. Selbst unter geringem Alkoholeinfluss kann es zu Stolpern und zu Fehltritten kommen. Zu beachten ist auch, dass Alkohol die Wirkung von Medikamenten verändern kann.

Gute Reise!

Nachdem Sie Ihr Reiseziel ausgewählt und alle notwendigen Vorkehrungen getroffen haben, fehlt nun nur noch eines: Freuen Sie sich auf den bevorstehenden Urlaub und geniessen Sie die Zeit in vollen Zügen!